Vereint in Christus Überlegungen und Gebete – Folge 5

 

von Tomislav Vlašić

Das Opfer des Lebens an Jesus durch die Allerheiligste Jungfrau Maria

 

 

Liebe Brüder, liebe Schwestern, wir sind wie immer zum Thema „Vereint in Christus“ unterwegs. Das heutige Thema lautet „Das Opfer des Lebens an Jesus durch die Allerheiligste Jungfrau Maria“. Das ist der rote Faden, der sich durch unsere Predigten und unser Zeugnis hindurchzieht, die Grundlage der christlichen Verkündigung. Ohne diese Bedingung können wir die Verheißungen des Herrn nicht erreichen, kann die Große Barriere nicht überschritten werden, kann die neue Schöpfung nicht erreicht werden. Erheben wir unser Gebet am Beginn dieser Überlegungen:

Oh unser Gott, der österliche Durchgang deines Sohnes, der auch unsere Berufung ist, ist klar wie die Sonne, wenn der Himmel wolkenlos ist, aber wenn Wolken sind, sehen wir die Sonne nicht. Wenn Wolken unseres Egoismus, unserer Ichbezogenheit da sind, verschließt sich in uns alles. Unser Geist verdunkelt sich und wir sehen die Geheimnisse nicht, die uns Gott wie das Licht mitteilt. Schenke uns das Licht, schenke uns die Gnade uns zu öffnen, um die christliche Berufung annehmen zu können und dem treu sein zu können, was Jesus uns durch die Apostel übermittelt hat.

Was ist die Berufung des Christen? Die Berufung des Christen ist, Jesus mehr als den Vater, die Mutter, den Sohn, die Tochter zu lieben. Wer ihn nicht mehr liebt, ist seiner nicht würdig, so sagte Er. Leider konzentriert sich das in der christlichen Mentalität vor allem auf die Geweihten, auf die Priester, aber das gilt für jeden Jünger Christi, für jeden, der Jesus nachfolgen möchte. Der Text von Matthäus im 10. Kapitel fährt fort uns zu sagen: „Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“[1] Häufig verstehen wir diesen Abschnitt nicht. Auch die Apostel fragten: „Was werden wir dafür bekommen?“ Die Antwort Jesu ist: „Und jeder (…) wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erhalten.“[2] Das bleibt eine Theorie, wenn der Christ die Anweisungen Jesu nicht befolgt, denn Jesus ist nicht gekommen, um uns das Leben wegzunehmen, es uns verlieren zu lassen, sondern um es zu vervollkommnen, es in das ewige Leben einzufügen, wo wir die Fülle erreichen. Und indem wir Jesus jeden Tag antworten, erfahren wir die Seligkeit. Das ist das Zeugnis aller Heiligen, das ist das Zeugnis aller Gläubigen, die Gott treu sind. Leider folgen die Christen dem nicht mehr, sie folgen Jesus auf oberflächliche Weise. Sie folgen Jesus nicht, um ständig durch das Ostergeheimnis hindurchzugehen und die Macht dieses Durchgangs zu erfahren. Die Grundlage unserer Beziehung mit Gott ist die mystische Vereinigung mit Christus im Heiligen Geist, um dem Vater unterworfen zu sein. Dieser Ausdruck, dem Vater unterworfen sein, gefällt uns nicht, aber es bedeutet, in die Gesetze des reinen Geistes eingefügt zu sein, sodass wir fortwährend vom Vater durch den Sohn im Heiligen Geist erneuert werden. Dann leben wir unsere Identität, dann erreichen wir unsere völlige Identität. Wo erreichen wir auf der Erde die Reife dieser Identität? In der Eucharistie, die die Quelle und der Höhepunkt unseres Weges ist. Hier sprechen wir aber nicht von der Teilnahme an einem schönen, organisierten Ritus, der Gefühle hervorruft sondern davon, am Leben Christi teilzunehmen, am lebendigen Jesus Christus, so wie alle Apostel teilnahmen. Durch diese Teilnahme am österlichen Durchgang erhielten sie den Heiligen Geist und wurden zu Zeugen und fuhren fort, das Gedächtnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi zu feiern. Das sage nicht ich euch, das sagt euch die Kirche. Die Identität des Christen ist, das Dreifaltige Leben zu offenbaren. Die Identität des Christen befindet sich in der im Leben gelebten Eucharistie. Die Teilnahme am Tod, an der Auferstehung Jesu, an der Verherrlichung Jesu, der zur Rechten des Vaters sitzt, ist die Berufung des Christen und müsste in jeder Eucharistie gelebt werden. Dieses Thema möchten wir bei einer anderen Gelegenheit, bei einer anderen Folge vertiefen, indem wir verschiedene Aspekte ansprechen, um sie euch näherzubringen.

Das ist die Berufung jedes Priesters: das Opfer zu sein, so wie es die Kirche definiert. Jener, der mit dem Himmel kommuniziert. Aber wie kann er mit dem Himmel kommunizieren, wenn er mystisch nicht mit Christus vereint ist? Denn nur durch den gestorbenen und auferstandenen Christus erhält er den Heiligen Geist und hat Zugang zum Vater. Alle Dokumente der Kirche unterstreichen, dass der Priester sich als Erster Gott für das Volk aufopfern und sich mystisch mit Christus vereinen muss, um ein Werkzeug zu sein, durch das sich der Gläubige erheben kann. Aber nicht nur der Priester ist dazu berufen sich aufzuopfern sondern jeder Christ. Was findet er in der Messfeier wenn nicht den lebendigen Christus? Was für eine außergewöhnliche Macht, die den Menschen mit der Macht des Heiligen Geistes in eine verherrlichte, sonnige, glückliche, verwirklichte Person verwandeln kann, wo die Gesetze des Geistes nicht mehr schwer sind, wie der Heilige Apostel Johannes sagt. Aber der Priester verwirklicht seine Berufung, seinen Dienst sicher nicht mit schönen Veranstaltungen, mit schönen Predigten, wenn er sich nicht mystisch mit Christus vereinigt. Und seine erste Aufgabe ist es, die Menschen dahin zu erziehen sich aufzuopfern, sich mystisch mit Christus zu vereinen, am Opfer Christi teilzunehmen und den eigenen Egoismus aufzuopfern, all das, was verdorben ist, um aufzuerstehen. Aber nicht nur die Einzelnen, jede christliche Gemeinschaft müsste das leben. Glaubt ihr, dass sich die geschwisterliche Gemeinschaft in den Kirchen, in den Pfarren verwirklichen kann ohne die Teilnahme am österlichen Geheimnis? Sicherlich nicht. Es können Feste gemacht werden, es können Gefühle hervorgerufen werden, aber wenn eine christliche Gemeinschaft sich selbst nicht abstirbt, kann der Heilige Geist die Gläubigen nicht erfüllen und ein Herz und eine Seele bilden. Ohne das mit Christus gelebte Opfer hat das Christentum keine Identität und erreicht weder jene Macht, die es erhebt noch die Würde der Kinder Gottes, und ohne die mystische Vereinigung mit Christus kann das Zeugnis nicht beginnen, das durch die Apostel begonnen hat. Alle schönen oder weniger schönen Veranstaltungen bringen keine Frucht, wenn der Priester an der Spitze des Volkes und das gesamte Volk sich nicht aufopfern. Heute finden sich leider keine Einzelpersonen, die sich aufopfern. Bei diesem Wort gibt es viel Widerstand. Aber das ist das Herz des Christentums. Denkt darüber nach.

Wir können aus dieser oberflächlichen, mittelmäßigen Mentalität, aus der Gewohnheit, wie die Messen gefeiert werden nicht ohne die machtvolle Hilfe Gottes herausfinden. Und wie immer wurde die Erneuerung durch die besonderen Werkzeuge gebracht. Wir werden es ohne die Allerheiligste Jungfrau Maria, der Unbefleckten, nicht schaffen. Zu Füßen des Kreuzes erhob sie sich mit dem Sohn und unterwarf sich dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Sie wurde zu unserer Mutter. Sie erhob sich mit der Seele und dem Körper, sie ist verwirklicht und ist in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Bald feiern wir die Aufnahme Mariens in den Himmel. Wir werden nicht zur eigenen Erhebung gelangen, wenn wir nicht durch ihr Herz gehen. Ich möchte auch das Herz von Josef hinzufügen, wie ich in der Konferenz sagte. Er ist uns als Beispiel noch näher, denn er war nicht von der Empfängnis an unbefleckt, sondern nahm das unbefleckte Leben Mariens an. Durch die Annahme des Planes Gottes, durch die Annahme des Sohnes Gottes als wäre es sein eigener, indem er sich selbst verleugnete, trat er in dieses unbefleckte Leben ein. Das ist der Durchgang für jeden von uns, und es gibt keinen anderen Durchgang. In diesen Zeiten, in denen Gott durch Jesus Christus die ganze Menschheit in eine neue Dimension erheben will, hat uns Gott außergewöhnliche Werkzeuge gegeben, die wir erklärten: den Zentralen Nukleus als Bindeglied insbesondere zwischen den Heiligen, den Engeln, den Gott treuen Brüdern und Schwestern im Universum und den Gläubigen hier auf der Erde. Es wurden uns die Gott treuen Brüder und Schwestern zur Seite gestellt mit dem ganzen Volk; und sie betrachten uns und nehmen auf besondere Weise teil, wenn wir die Messe feiern. Die ganze Menschheit, das ganze Universum ist, wie wir gehört haben, dafür vorgesehen, diesen österlichen, universalen Durchgang zu machen, also können wir uns nur in Gemeinschaft mit diesen außergewöhnlichen Werkzeugen auf den Weg machen. Mit der Allerheiligste Jungfrau Maria, die über allen steht, die uns mit dem Heiligen Josef als Mutter und er als Vater gegeben wurde und in Gemeinschaft mit den außergewöhnlichen Werkzeugen, die wir anrufen, wünschen wir uns, in eine Beziehung mit dem Heiligen Geist einzutreten, um das kosmische Pfingsten zu bilden. Dann wird sich die Kirche der Erde erheben, dann wir ihr geholfen werden.

Ich denke, dass wir uns in unserem Innersten der Worte nicht bewusst sind, die uns der Heilige Paulus in dem ersten Brief an die Korinther mitteilte: „Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. Deswegen sind unter euch viele schwach und krank, und nicht wenige sind schon entschlafen.“[3]

Oh Herr, wie viel Oberflächlichkeit gibt es in den Eucharistiefeiern. Dein Sohn stirbt und wir gehen mit Kälte, Oberflächlichkeit und Mittelmäßigkeit darüber hinweg. Wir kreisen um Feiern, Veranstaltungen, die um die Eucharistiefeier herum geschehen und all das lenkt uns vom Wesentlichen ab. Und wir bleiben ohne den lebendigen Christus über. Wir können nicht heilen, wenn wir nicht offen dafür sind, ihm unsere Sünden zu übergeben, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst abzusterben, aufzuerstehen. Es geschieht in uns keine machtvolle Veränderung, die jede Eucharistie als Frucht geben könnte, wie wir in den Evangelien gelesen haben, als Jesus nach der Auferstehung den Aposteln, den Jüngern die Eucharistie gab und sie verwandelt wurden.

Oh Herr, lass uns nicht mehr fern bleiben von der Quelle, vom Höhepunkt unseres Lebens. Hab Erbarmen mit uns, vergib uns unsere Schuld. Schenke uns die Gnade unserer Bekehrung in diesen Zeiten, berühre unsere Herzen, damit wir nicht mehr oberflächlich, desinteressiert sind demgegenüber, was in der Heiligen Messe geschieht.

In den Mahnungen des Heiligen Paulus an die Römer hören wir: „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“[4]

Ja, Herr, wenn wir uns in unserer Mentalität nicht umwandeln lassen, wenn wir uns nicht mit deinem Christus aufopfern lassen, können wir nicht umgewandelt werden, können wir seinen Gedanken nicht erreichen und können deinen Willen nicht verstehen. Er scheint uns weit entfernt, nebelhaft, seltsam. Wir sind hingegen dazu berufen, Kinder Gottes zu sein, im Licht zu gehen.
Ohne das Opfer an Jesus durch die Allerheiligste Jungfrau Maria können wir nichts nun, können wir nicht einen Schritt im geistigen Leben tun. Alles ist Täuschung.

Im Evangelium nach Johannes haben wir in der Osterzeit immer die Erfahrung von Maria von Magdala gehört. Sie war die Erste, die den auferstandenen Jesus getroffen hat, und als sie ihn traf, wollte sie ihn bei sich behalten. Und Er antwortete: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“[5] Dieser Vers wird fast nie meditiert. Es bedeutet, dass wir, indem wir unser Leben aufopfern und die Heilige Messe aufgeopfert feiern, nicht nur an den Punkt der Auferstehung in uns gelangen sondern auch zur Fähigkeit, uns zum Vater zu erheben. Unser Blick ändert sich, die Horizonte öffnen sich für die Ewigkeit. Dann öffnet sich alles, was wir Geheimnis nennen, was wir nicht verstehen können, was uns übersteigt, was im Universum ist, denn Er öffnet es seinen Kindern, die mit ihm vereint sein und gemäß den Gesetzen des reinen Geistes leben möchten. Ohne diesen Weg, ich spreche von einem Weg nicht von einer Lektion, die auswendig zu lernen ist, sondern vom Weg der Teilnahme am Tod, an der Auferstehung Christi, um sich zu erheben und zur Rechten des Vaters stehen zu können, wie der Heilige Paulus sagt, kann sich in uns der Weg nicht erfüllen, wo sich alle Verheißungen Christi überprüfen und bestätigen. Dann können wir seine Zeugen sein.

Oh Herr, schenke mir die Gnade, so leben zu können, dass dich mein ganzes Wesen wie der erste Märtyrer, der Heilige Stefanus, in der Herrlichkeit betrachten kann, die du für mich und für alle jene, bereitet hast, die bereit sind, in Christus vereint zu sein und dafür zu arbeiten, die anderen in Christus zu vereinen. Amen.

Ich verabschiede mich für kurze Zeit von euch, denn vor euch liegen die Ferien und es ist recht so, dass ihr ausruhen könnt, aber ich empfehle euch, mit dem Herrn auszuruhen. Er wünscht, dass ihr ausruht. Sein Blick wird immer auf euch sein, auch wenn ihr euch vergnügen geht, wenn ihr ausruht. Vor euch liegen zwei Feste, die unsere Umwandlung bezeichnen: das Fest der Verherrlichung Christi am 6. August und am 15. August das Hochfest Mariens, aufgenommen in den Himmel. Dann, am 25. August hören wir uns erneut. In der Zwischenzeit versucht, das zu leben, auch wenn ihr in den Ferien seid. Genießt die Gegenwart Gottes, genießt seine Liebe, mit der Sonne, mit dem Meer, mit all dem, was Gott für euch bereitet hat.

Ich wünsche euch schöne Ferien, gute Erholung bis wir uns wiederhören, und ich segne euch im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.


[1] Vgl. Mt 10,37-39

[2] Vgl. Mt 19,27-29

[3] Vgl. 1Kor 11,29-30

[4] Vgl. Röm 12,1-2

[5] Vgl. Joh 20,17

Ein Gedanke zu „Vereint in Christus Überlegungen und Gebete – Folge 5“

  1. Gedicht von der Dichterin Hilde Domin:

    „Wer wie die Biene wär“,
    wer wie die Biene wäre,
    die die Sonne
    auch durch den Wolkenhimmel fühlt,
    die den Weg zur Blüte findet
    und nie die Richtung verliert,
    dem lägen die Felder im ewien Glanz.“

    Monika

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