Heiliger Stephanus

Kirche Jesu Christi des Universums

von Mauro

(übersetztes Audio)

26.12.2022
Apg 6, 8-12; 7, 54-60; Ps 31; Mt 10, 17-22

Wir haben gestern Weihnachten gefeiert. Wir haben die Freude gefeiert. Ein Kind wurde uns geschenkt, dieses Geheimnis der Menschwerdung. Und wenn wir uns sofort all diese Lesungen, diese Heiligen, die in die Weihnachtszeit eingefügt sind, gemeinsam ansehen wollen, so zeigen sie uns bereits den Weg.

Am Tag nach Weihnachten feiern wir bereits den ersten Märtyrer. Das ist kein Zufall. Nach dem ersten Märtyrer feiern wir den Apostel Johannes[1]. Der Apostel Johannes ist der einzige Apostel, bei dem es nicht gelungen ist, ihn umzubringen, weil er an die Auferstehung glaubte. Er strahlte eine Macht aus, die seine Verfolger daran hinderte, ihn zu töten. Der Apostel Johannes wies in besondere Weise auf den Weg hin, sich Maria anzuvertrauen und an ihrer Seite zu sein. Er wurde unter dem Kreuz Maria anvertraut und Maria ihm[2]. Auch das ist kein Zufall nach Weihnachten. Dann feiern wir alle unschuldigen Märtyrer, die Heilige Familie, Maria, die Mutter Gottes (ich beeile mich, sonst…), die Epiphanie und die Taufe des Herrn[3], das ist alles ein Weg, alles vorgezeichnet, wie um zu sagen: „Ihr habt einen Sohn erhalten, ihr habe die Gnaden, um diesen Weg zu gehen.“

Auch im Martyrium – heute feiern wir den Heiligen Stephanus, aber in ein paar Tagen gedenken wir all jener Kinder, die umgebracht wurden und ich bin sicher, dass viele, wenn nicht sogar alle sich fragen, weshalb sie umgebracht wurden, welche Schuld hatten sie. Der Heilige Stephanus hatte zumindest etwas gesagt, was andere verärgert hatte, aber die Kinder hatten gar nichts getan. Aber auch das hat seine Bedeutung: Es möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass das, was wirklich zählt, die Realität des Himmels ist, die Realität Gottes. Das, was zählt, ist das ewige Leben und auch angesichts von Unschuldigen ist die Dimension des ewigen Lebens wichtiger. Sie haben nichts versäumt, nur weil sie noch so klein gestorben sind. Für Christus zu sterben bedeutet zu leben. Diese Bedeutung wird sofort eingeprägt.

Ich habe über den Heiligen Stephanus nachgedacht, über diese Art für Gott Zeugnis abzulegen – und auch das heutige Evangelium sagt das: «Ihr werdet um meinetwillen gehasst werden»[4] -, dass die Wahrheit gesagt werden muss, dass die Wahrheiten des Glaubens verkündet werden müssen, und dafür stirbt er. Das ist das klassische Martyrium. Aber es gibt noch eine Art von Martyrium, das wir meiner Meinung nach alle in gewisser Weise leben, und zwar wenn wir aus Liebe zu Gott bereit sind, immer zu verlieren, menschlich gesehen zu verlieren. Ich habe mich gefragt: Wann versteht man, dass es richtig ist zu schweigen, nichts zu sagen? Wer hat Recht, wenn vielleicht beide glauben, die Wahrheiten Gottes zu überbringen? Die Antwort, die mir gekommen ist, ist, dass der Recht hat, der es menschlich gesehen versteht zu verlieren. Der Heilige Stephanus hat sein Leben verloren. Wir verlieren unser Leben nicht, aber wenn wir in einem Streit – „Ich habe Recht, das ist meine Meinung, aber Jesus hat das so gesagt, aber die Muttergottes, aber jene Botschaft“ – aus Liebe bereit sind menschlich gesehen zu verlieren, dann können wir sagen, dass es ein gesunder, richtiger und erforderlicher Schritt eines Martyriums war. Und jedes Martyrium trägt Früchte. Für den Heilige Stephanus war es der Heilige Paulus. Das gilt für jeden von uns.

Wir opfern uns füreinander auf. Wenn wir wirklich füreinander aufgeopfert sind, dann ist es in erster Linie dieses Martyrium aus Liebe zum anderen, das wir haben müssen. Es geht nicht so sehr darum, den anderen davon zu überzeugen, dass wir Recht haben. Das sind alles menschliche Aspekte. Wenn wir für jemand anderen aufgeopfert sind, dann erleiden wir mit Freuden dieses Martyrium unseres Gedankens. Möge er sterben, damit der Gedanke Gottes im anderen, aber auch in uns hervorkommen kann, denn vielleicht haben wir ja auch gar nicht Recht. Es ist einfach! Das ist etwas, was man jeden Tag mehrmals machen kann und ja, dann befinden wir uns auf einem Weg des täglichen Martyriums, des täglichen Uns-Selbst-Absterbens. Überlegt, wie viele unnötige Diskussionen es geben würde. Um Kriege zu beenden ist das der einzige Weg. Beginnen wir also, unsere Kriege zu beenden. Dann werden wir die Kriege in der Ukraine und in der Welt beenden.

Ich wiederhole: Der Weg ist klar und noch einmal müssen wir sagen: „In der Kirche, auch in jener katholischen, ist wirklich alles vorhanden.“ Es ist alles da, denn auch die Tatsache, dass diese Heiligen, diese Lesungen so angeordnet sind, bestätigt das. Die Frage ist, ob das alles gelebt wird. Wir können uns den Mund mit dem füllen, was Jesus gesagt hat, was in einer Botschaft steht, es aber nicht leben. Dann gelten die Worte, die Jesus gesagt hat: «Ihr ladet den Menschen unerträgliche Lasten auf, selbst aber rührt ihr die Lasten mit keinem Finger an.»[5] Wenn wir also die Heilige Schrift so gut kennen, sollten wir sie leben. Wir sollten still sein und erlauben, ans Kreuz geschlagen zu werden. Das ist die beste Art zu sprechen, denn jedes unserer Worte bezeugt, dass wir nicht verstanden haben, wovon wir sprechen.

Ich wünsche mir und euch allen, dass uns diese Weihnachtszeit in das Geheimnis DER Liebe Gottes eintauchen und uns wirklich auf diesem neuen Weg aufbrechen lässt, denn jedes Mal ist er neu und führt uns bereits jetzt zur Auferstehung, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Am 27. Dezember wir der Heilige Apostel Johannes gefeiert.

[2] Vgl. Joh 19, 25-27

[3] Am 28. Dezember werden die unschuldigen Kinder, die unschuldigen Märtyrer gefeiert, am 30. Dezember die Heilige Familie, am 1. Januar die Allerheiligste Jungfrau Maria, Mutter Gottes, am 6. Januar die Epiphanie, die Erscheinung des Herrn und am ersten Sonntag nach der Epiphanie die Taufe des Herrn.

[4] Vgl. Mt 10, 22

[5] Vgl. Lk 11, 46

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