Gedanken – Pfingsten

von Stefania Caterina und Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. Juni 2017

Pater Tomislav: Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche euch ein schönes Pfingstfest und möge der Heilige Geist in euer Innerstes herabkommen, euer ganzes Leben erwecken und es durch Jesus Christus auf die Fülle im Leben mit dem Vater ausrichten.

In der Vigilfeier gestern Abend haben wir einen Blick darauf geworfen, was wir im Rahmen der Dynamik des ganzen Universums im kosmischen Pfingsten tun sollen. Ich möchte, dass heute jeder von uns in den eigenen Mikrokosmos eintritt, versteht, den Heiligen Geist anzunehmen, Ihn frei in uns wirken zu lassen, versteht, unser Leben im Alltag in dem Bewusstsein zu leben, dass der Heiligen Geist ständig bei uns ist, versteht auf dem Weg zu sein, um die Vollendung zu erreichen, so wie sich zu Pfingsten die Erwartung Israels verwirklicht hat und sich im kosmischen Pfingsten unsere Erlösung vollenden wird. Wir werden in die neuen Himmel, die neue Erde eintreten, wo wir unsere Vervollkommnung erreichen werden.

Wer heute schon in der Heiligen Messe war, dem ist aufgefallen, dass in der Sequenz der Heilige Geist angerufen wird, um unser Innerstes zu erfüllen, um alles zu durchdringen:

In der Unrast schenkst du Ruh,

hauchst in Hitze Kühlung zu,

spendest Trost in Leid und Tod.

 

Komm, o du glückselig Licht,

fülle Herz und Angesicht,

dring bis auf der Seele Grund.

 

Ohne dein lebendig Wehn

kann im Menschen nichts bestehn,

kann nichts heil sein noch gesund.

Und auf diese Weise können wir unser ganzes Leben in Beziehung mit dem Heiligen Geist sehen.

Es gibt ein Missverständnis auf diesem Weg: das Denken auf wundersame, große, großartige, den menschlichen Kategorien entsprechende Dinge auszurichten, weil sich der Heilige Geist im ersten Pfingstfest so machtvoll und heftig offenbart hat, gerade um den tauben, blinden Menschen aufzurütteln, der unfähig ist, Gott wahrzunehmen, Gott zu verstehen, alle Werke des Vaters zu verstehen, die Jesus vor ihren Augen vollbracht hat. Und tatsächlich wurden auch viele großartige Zeichen, die sich im Laufe der Zeit in der Kirche mit der Macht des Heiligen Geistes ereignet haben, ignoriert und nicht angenommen aufgrund der Unfähigkeit und dem Mangel an Bereitschaft, sich dem Heiligen Geist zu öffnen. Das größte Geschenk, das wir erhalten haben, ist unser Leben, daher ist das größte Geschenk, das uns der Heilige Geist geben kann, ein nach dem Abbild der Kinder Gottes umgewandeltes Leben und das kann nicht in einem Augenblick, durch eine wundersame Offenbarung geschehen. Es können Gnaden geschenkt werden, aber der Umwandlungsprozess ist wie das Wachsen eines Menschen im Mutterleib und anhand seiner Entscheidungen bis hin zur endgültigen Reife.

Daher möchte ich, dass wir heute in uns gehen und eine Haltung annehmen, in der wir die Gegenwart des Heiligen Geistes wahrnehmen können, der sich an diesem Festtag natürlich noch machtvoller zeigt, auch dank unserer Gebete, unserer Verzichte, jener des ganzen Volkes Gottes, aber der Heilige Geist ist ständig in uns gegenwärtig, Er geht uns voraus, begleitet uns, führt uns und durch Jesus Christus wird Er uns zu einem in Gott vollkommenen Leben in der neuen Schöpfung führen.

Wir finden die Beschreibung des ersten Pfingstfestes in der Apostelgeschichte[1], aber wir haben auch eine andere Beschreibung des Heiligen Johannes im Evangelium, die gemeinhin als „Das johanneische Pfingsten“[2] bezeichnet wird. Jesus zeigte sich einfach den Aposteln, Er ging durch die verschlossenen Türen hindurch, aber Er drang auch in die Herzen ein und sagte: «Der Friede sei mit euch». Er vollbrachte kein weiteres Wunder und die Jünger freuten sich, Ihn zu sehen, Ihn zu berühren, Ihn zu beobachten. Die Beschreibung des Heiligen Johannes ist nicht die Beschreibung einer Vision: es ist die Erscheinung des Auferstandenen, der den Jüngern den Heiligen Geist schenkt, aber die Jünger mussten daraufhin den Heiligen Geist annehmen, bewahren und an seinem Wirken teilnehmen und das ist der Weg der Kirche, der Heiligkeit aller Heiligen, des ganzen heiligen Volkes Gottes. Es gibt keinen anderen Weg.

Der Heilige Paulus schreibt im ersten Brief an die Korinther[3]: «Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.» Die Umstände sind folgende: In der Kirche von Korinth zeigten sich viele Geistesgaben und diese Gnadengaben oder besser die Christen, die Gnadengaben erhielten, gerieten aneinander, spalteten sich, verfielen der Unmoral und wurden anmaßend. All diese Anzeichen sind Zeichen dafür, dass der Heilige Geist in den Menschen nicht handeln konnte. Die außergewöhnlichen Manifestationen in gewissen Geistesgaben wurden zum Anlass von Hochmut, woraufhin der Feind folgte.

Was ist also unser Weg? Unser Weg ist es, uns auf die grundlegende Öffnung unseres Glaubens, unserer Hoffnung, der göttlichen Liebe in uns, der reinen Liebe hinzubewegen. Das ist viel schwieriger als eine Geistesgabe zu erhalten. Gewisse Gnadengaben, die der Heilige Geist verteilte, können heute auch in satanischen Bewegungen erfahren werden, denn auch Satan kann gewisse Fähigkeiten der Seele erwecken. Der gute Gott hat es, um seine Kinder nicht zu gefährden, für besser gehalten, gewisse Gnadengaben zurückzuziehen, sie nicht mehr zu verschenken, denn im Menschen, der nicht heilig, nicht von Gott durchdrungen sein möchte, können sie ein Hindernis und eine große Gefahr sein. Es ist leicht, die Augen auf Gott zu fixieren und auf ein Wunder zu warten, ein Wunder zu bewundern. Es ist viel schwieriger, sich für Gott zu öffnen, von seinem Heiligen Geist erfüllt zu sein, damit dieser unser Leben formen und auf die Fülle ausrichten kann. Letzteres ist etwas, worum wir uns in jedem Augenblick unseres Alltags bemühen müssen, aber was in Reichweite jedes Menschen liegt. Daher haben hier die demütigen, einfachen Menschen Vorrang, jene, die keine Ambitionen haben, die Gott lieben, auf Gott vertrauen und hoffen.

In diesem Sinn sind die Worte des Heiligen Paulus zu verstehen: «Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.», aber wir sind an diesem Tag dazu aufgerufen zum Ausdruck zu bringen, dass Jesus der Herr über alles ist, in unserem Innersten. Dort, wo wir in unserer Vergangenheit etwas falsch gemacht haben, war Er am Kreuz und möchte sich an diesem Tag für uns aufopfern, damit wir, befreit, das Leben in Fülle haben. Zu glauben, das Jesus Christus der Herr ist heißt, in jeder Situation diese Wahrheit anzunehmen. Hieraus entsteht das Vertrauen in die Vorsehung Gottes, denn der Geist Jesu Christi erklärt uns innerlich alles, Er führt uns in das vollkommene Licht, in das wahre Verständnis des Lebens und seines Verlaufs. Schritt für Schritt fördert Er uns und schenkt uns jene Gnaden, jene Gaben, die unseren guten Willen, unseren Wunsch begleiten, in Gott untadelig und vollständig zu sein. Jesus Christus als Herrn des Universums anzuerkennen bedeutet, voll Vertrauen auf Ihn zu blicken, der das ganze Universum regiert. Wir werden uns nicht an falsche Informationen, an Menschen klammern, die uns erklären, was es im Universum gibt. Unser Leben, unsere Seele, die nach dem Abbild und Gleichnis Gottes erschaffen ist, wird mit Jesus Christus vereint und der Heilige Geist erklärt alles, was für uns nützlich und notwendig ist. Es wird uns an nichts fehlen.

Selig der Mensch, der sich heute dazu entscheidet, den Heiligen Geist anzunehmen, damit dieser ihn vollkommen auf Jesus Christus, den Herrn des Universums ausrichtet, der alle Dinge ins Lot bringt, Schritt für Schritt zur neuen Schöpfung führt und uns in das Leben mit dem Vater einführt. Selig der Mensch, der heute beginnt, in jeder Situation im Heiligen Geist dem Regenten des ganzen Universums, Jesus Christus, unterworfen zu sein, dieser Mensch wird niemals einen Fehler begehen, er wird alles tun können, mit sich selbst im Einklang und zufrieden mit sich sein, so wie er ist ohne falschen Wettstreit mit den anderen. In seiner Einzigartigkeit wird er Erbauer der Gemeinschaft im Geist sein durch Jesus Christus und das ist Pfingsten.

Uns ist klar, dass das erste Pfingsten im Beisein der Allerheiligsten Mutter Maria geschehen ist, die mit den Aposteln und Jüngern versammelt war. In keiner ihrer Erscheinungen hat Sie sich auf Aufsehen erregende Weise gezeigt, Ihre Worte waren einfach; Sie war vielmehr eine gegenwärtige, zärtliche, einfache Mutter und dennoch erzittert die Hölle vor dieser einfachen Frau. Und wenn Satan sich bewegt, sieht Sie ihn nicht einmal an. Man würde meinen, dass Sie ihn nicht austreibt, aber er flüchtet von selbst, denn unsere Mutter, unsere Königin ist ständig, immerwährend in den Heiligen Geist eingetaucht und im Heiligen Geist ist Sie in einer vollkommenen Beziehung mit dem Vater durch den Sohn.

Im Evangelium nach Johannes sagt Jesus heute: «Friede sei mit euch!»[4]. Das ist ein großartiges Wort: Friede all unseren Problemen, Friede – die Antwort auf all unsere Probleme, Friede – eine Sicherheit für unser Leben, Friede, der eine Dimension der Ewigkeit hat, wo wir uns befinden werden, wenn wir alle auf einfache Weise in die neue Schöpfung eingetreten sind ohne Bravourleistungen, ohne menschliche Hierarchien, ohne Kategorien, von denen unsere Phantasien strotzen.

Jesus sagt: «Friede sei mit euch!», mit euch, nicht nur mit einem. Wenn ein Mensch, eine Gruppe, eine Zelle diesen Frieden annimmt, dann lösen sich die Beziehungsprobleme, dann werden sie zu einem Herz und einer Seele, da sie mit Christus im Heiligen Geist versöhnt sind. Es ist nicht schwer zu sehen, dass dieses Eintauchen in den Heiligen Geist den Christen, den Pfarrgemeinden, den religiösen Gemeinschaften fehlt. Und heute ist der Tag der Gnade, um uns alle zu bekehren, indem wir in die Gabe des Heiligen Geistes eintauchen, der uns durch den Sohn mit dem Vater vereint, aus dem das Leben in all seinen Ausprägungen entspringt.

Und dann ist es schön, den Heiligen Johannes zu hören: «Als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten», hier wird das Wort Jünger nicht Apostel verwendet. Die Jünger sind die Apostel, aber auch all jene, die Jesus Christus nachfolgen. Werden wir heute Jünger Jesu Christi, Nachfolger Jesu Christi, der uns zum Heiligen Geist führt. Er, auferstanden, hat sich den Jüngern im Heiligen Geist mit dem Vater gezeigt. Diese dreifaltige Macht ist in die Jünger eingetreten. Die Folge davon ist: «Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.»

Wer Jesus Christus annimmt, dem wird der Heilige Geist geschenkt und im Heiligen Geist wirkt die dreifaltige Macht, das Höchstmaß, das in einer Seele, in einer Zelle, in einer christlichen Gemeinschaft wirken kann. Die Fähigkeit eines jeden von uns, diese Gnade auf andere auszugießen, liegt darin zu vergeben, nicht in Worten, sondern als dreifaltige Macht, die die anderen befreit. Jeder Einzelne, der sich Jünger Jesu nennt, jede christliche Gemeinschaft gibt entweder dieses Geschenk weiter oder ist nicht im Frieden mit Christus. Und der Heilige Paulus sagt zu Recht: «Wer den Geist Christi nicht hat, gehört nicht zu ihm»[5]. Und wir bezeichnen uns als Mystischer Leib Christi. Wenn im Körper der Geist fehlt, befindet sich der Tod in diesem Körper und wenn der Körper verfault, verdorben ist, keine lebensnotwendige Kraft, den Heiligen Geist von Gott nicht erhält, dann ist er tot und was gibt er weiter? Er gibt den Tod weiter. Das untere Universum bezeichnet die Erde nicht zufällig als den Planeten des Todes und wir können überall auf der Erde das Blut sehen. Schlimmer noch, jeden Tag spielen sich vor unseren Augen fürchterliche Dinge ab, aber wir erwachen nicht zur Novität des Lebens.

Brüder und Schwestern, für uns ist das ein großartiger Tag, das Herabkommen des Heiligen Geistes, aber es ist auch eine große Verantwortung: Ihn anzunehmen oder leer, schwach, zerbrechlich, voll von Verwirrung, Spannungen und Kriegen zu leben. Heute müssen wir eine Entscheidung treffen: den Heiligen Geist annehmen oder im Geist der Welt, im Geist Satans verhaftet bleiben.

Und ich segne euch alle mit all den Gnaden, die mir der Herr in Gemeinschaft mit allen außergewöhnlichen, erhabenen und gewöhnlichen Werkzeugen schenkt. Ich segne euch, damit ihr an diesem Tag, in diesen Tagen bis zum Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in die Stille eintauchen könnt, um die Gnade auszukosten, um verstehen zu können, wie ihr glücklich sein und die Fülle in euch leben könnt und um Verantwortung für euch und für die ganze Menschheit zu übernehmen, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Apg 2

[2] Vgl. Joh 20,19-23

[3] Vgl. 1Kor 12,3b-7.12-13

[4] S. Fußnote 2

[5] Röm 8,9

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