Gedanken „Der neue Mensch in Christus – Die Beziehung zwischen Geist und Seele“

von Stefania Caterina und Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. März 2017

Pater Tomislav: Liebe Schwestern und Brüder, fahren wir mit unserem Thema „Der neue Mensch in Christus“ fort. Das letzte Mal haben wir über das Thema „Gott im Geist des Menschen“ gesprochen. Heute sprechen wir über „Die Beziehung zwischen Geist und Seele“. Wir befinden wie immer auf dem Weg hin zur Vereinigung in Christus des ganzen Universums, im Kampf gegen den Geist des Bösen, gegen den Geist des Antichristen, und diese Themen sind wichtig, denn erfüllt von der Macht des Heiligen Geistes können wir uns jeder Handlung des Bösen widersetzen.

Stefania Caterina: Wir fragen uns vor allem, was ist die Seele? Wir können sie als jenen körperlosen Teil unseres Wesens definieren, der aber das Leben unseres Körpers unterstützt, unserem Körper das Leben weitergibt. Die Seele ist unsterblich und nach unserem Tod fährt die Seele fort, in der überirdischen Dimension zu leben. Die Seele hat drei Kräfte: das Gedächtnis, den Verstand und den Willen. Durch diese Kräfte drückt die Seele das Abbild, das Gleichnis mit Gott aus und setzt alle Impulse in die Praxis um, die vom Geist kommen – hier sprechen wir vom Geist des Menschen, vom Geist, der sich im Zentrum der Seele befindet.

Hören wir zu, was der Heilige Raffael hinsichtlich des Geistes sagt, der sich in der Seele des Menschen befindet. Der Auszug stammt aus dem Buch „Im Gedanken Gottes“[1], Seite 36: „Der Mensch befindet sich in seinem Geist mit Gott von Angesicht zu Angesicht, denn hier offenbart sich Gott dem Menschen. Es ist euer „Offenbarungszelt“, wie jenes, in dem Mose mit Gott von Angesicht zu Angesicht sprach[2]. Der Geist ist der Ort eures Wesens, in dem Gott lebt. Die Beziehung zwischen Geist und Seele ist eine lebensnotwendige Beziehung, denn der Geist belebt die Seele; er gibt an die Seele das weiter, was er seinerseits vom Heiligen Geist erhält. Die Seele bereitet durch ihre drei Kräfte, das heißt durch das Gedächtnis, den Verstand und den Willen das auf, was sie vom Geist erhält und gibt den Inhalt an das Gehirn weiter, das dafür vorgesehene körperliche Organ, um die geistigen Impulse in Befehle umzuwandeln, die an den Körper weiterzugeben sind.“

Pater Tomislav: In dieser Zeit wird sehr viel von der Psyche, der Psychologie, der Psychotherapie gesprochen – alles gute Dinge, aber die Psychologie, die Psychotherapie gehen nicht über einen bestimmten Punkt hinaus, sie gelangen nicht bis ins Zentrum. Im Zentrum befindet sich die Grunddynamik jedes Menschen, der vor Gott von Angesicht zu Angesicht steht. Wenn ihr nicht zu dieser Beziehung von Angesicht zu Angesicht mit Gott in eurem Geist findet, wird es euch nicht gelingen, all eure Probleme in Gott einzutauchen und die ganze Macht wahrzunehmen, die aus eurem Glauben kommt, denn im Geist des Menschen befindet sich die Wurzel seines Lebens. Der Geist, der sich vollkommen dem Geist Gottes öffnet, wird vom Heiligen Geist erfüllt, der der Seele ein Siegel einprägt, sie auf Jesus Christus ausrichtet und mit Jesus Christus auf Gott Vater. Ist die Seele demütig, fügsam, Gott Vater unterworfen, dann wirkt der dreifaltige Geist machtvoll im Geist dieser Seele und im Geist der Seele wachsen die Früchte des Heiligen Geistes[3], der Friede, die Freude,… vor allem wachsen der Glaube, die Hoffnung und die Liebe.

Die Muttergottes hat uns in Medjugorje gelehrt, dass eine Seele, wenn sie sich für die Allerheiligste Dreifaltigkeit öffnet, wie eine vollständige, unversehrte Blume wird, vollständig und unversehrt mit allen Blütenblättern. Satan kann diese Blume dann nicht wegnehmen, weil sie Jesus Christus gehört.

Was zu Beginn unseres Lebens, zum Zeitpunkt unserer Empfängnis geschieht, ist grundlegend. Davon ausgehend können wir unsere Beziehung mit Gott, die Beziehung zwischen unserer Seele und dem Geist verstehen.

Stefania Caterina: Hören wir uns einen Abschnitt aus dem Buch „Über die Große Barriere hinaus“[4] an, auf Seite 227. Es ist der Vater, der spricht: „„Ich erschaffe jeden Menschen nach meinem Ebenbild. Ich erschaffe die Sünde nicht, denn aus mir kann nichts Böses kommen. Jede Seele wird vor die Wahl gestellt, die gleiche Wahl, vor die auch eure Stammeltern gestellt wurden. Sie muss sich zwischen dem Guten und dem Bösen, zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen Ja und Nein entscheiden. Jede Seele sieht mich und sieht Satan. Sie entscheidet sich frei.

Entsprechend ihrer Wahl tritt die Seele in die Spur ihrer Ureltern ein und bestimmt so die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Menschheit. Es ist immer die Seele, die entscheidet. Ich erschaffe keine Sünder.

Die Seele, die mir treu ist und wünscht, meinen Gesetzen unterworfen zu leben, weist das Böse zurück und entscheidet sich, mir durch meinen Sohn im Heiligen Geist und Maria geweiht zu dienen. Diese Seele wird einer der treuen Menschheiten angehören, die das Universum bevölkern. Die anderen werden zu jenen Menschheiten gehören, die ihnen ähnlich sind und einen Weg der Reinigung beginnen. Wenn sie möchten, können sie durch einen Weg der Heiligkeit ihre ursprüngliche Auflehnung heilen und dank des Opfers meines Sohnes zur Gemeinschaft mit mir gelangen.“

Pater Tomislav: Das, was in unseren Tiefen, in unserem Innersten zum Zeitpunkt der Empfängnis geschieht, gehört dem Geheimnis an, aber es ist ein Geheimnis für das menschlichen Auge. Für die Kinder Gottes, die mit Gott leben möchten, ist das Geheimnis erleuchtet und daher kann auch die Seele zum Zeitpunkt der Empfängnis, an dem sie von einem besonderen Licht und einer besonderen Gnade erleuchtet wird, diese Entscheidung treffen, aber jede Seele wird bereits dort auf die Probe gestellt. Warum wird sie auf die Probe gestellt? Weil sie frei erschaffen wurde und daher muss sie diese Freiheit in einer direkten Beziehung mit Gott ausdrücken, da sie wie gesagt zum Zeitpunkt der Empfängnis Gott und Satan sieht. Das ist keine Vision, die den menschlichen Augen entspringt, sondern es ist eine Vision des Geistes, und hier wird eine grundlegende Entscheidung getroffen: die Seelen, die ein eindeutiges, kräftiges Ja zu Gott aussprechen, richten sich auf Gott aus; jene Seelen, die ein starkes Nein aussprechen, richten sich auf Satan aus und kehren nur schwer um. Der Großteil der Seelen befindet sich dazwischen, auch mit einem schwachen oder unehrlichen Ja. Sie müssen aufholen.

Der Heilige Raffael sagt, dass der Geist des Menschen nicht ohne Geist Gottes leben kann. In dieser Entscheidung wird der, der sich für Gott entschieden hat, mit dem Geist Gottes erfüllt. Der aber, der sich für Satan entscheidet, richtet sich auf den Geist Satans aus, der ein Geschöpf ist. Gott schenkt allen den Lebensatem, um leben zu können, aber hier entscheidet sich die Seele für jene Gesetze, durch die sie sich entweder auf Gott oder Satan ausrichtet. Der Lebensatem bleibt aber in uns allen. Wenn sich die Seelen also nicht für Gott entscheiden, dann richten sie sich auf Satan aus und stützen sich auf ihn, sie stützen sich auf den Geist der Welt, heute auf den Geist des Falschen Propheten, des Antichristen. Diesen Punkt werden wir in der nächsten Folge betrachten, weil er sehr wichtig ist für diese Zeit.

Stefania Caterina: Hören wir uns noch einen weiteren Abschnitt aus dem Buch „Über die Große Barriere hinaus“ an, auf Seite 228: „Der ausschlaggebende Punkt der Prüfung im Augenblick der Empfängnis jeder Seele ist, ob sie Jesus Christus annimmt oder nicht. Sie ist aufgerufen zu wählen, ob sie Jesus Christus annehmen und ihm bis ans Kreuz nachfolgen, mit ihm auferstehen und so am Werk der Erlösung zugunsten des ganzen Universums teilnehmen will oder nicht. Hier kommt Satan ins Spiel, der den Menschen von Beginn an mit Verlockungen und Drohungen versucht. Gott erlaubt das, damit die Seele die Wirklichkeit des Guten und des Bösen kennenlernt so wie sie ist. Sie sieht Satan so, wie sie Gott sieht. Sie steht dem Leben und dem Tod gegenüber und muss wählen. Es ist eine Entscheidung, die Gott von jedem Menschen ohne Ausnahme verlangt.

In dem Augenblick, in dem die Seele Jesus Christus annimmt, erhält sie den Heiligen Geist. Das ist das unauslöschliche Siegel, die bleibende Salbung, die dem Menschen im Laufe seines Lebens hilft, sich dafür zu entscheiden, Jesus Christus in jeder Prüfung, der er sich stellen muss nachzufolgen. Der Heilige Geist, den die Seele im Augenblick der Empfängnis erhalten hat, enthüllt der Seele das Abbild Gottes, das sie in sich eingeprägt trägt. In ihr ist die Identität jedes Menschen enthalten, seine Gotteskindschaft. So versteht die Seele ihre Einzigartigkeit in Gott, die sich in ihrem Sein und Handeln ausdrücken wird.“

Pater Tomislav: Hier sprechen wir nicht vom historischen Jesus, von Jesus von Nazareth. Wir sprechen vom Wort Gottes, das ewig und beim Vater ist. Die Seele, indem sie Gott im Geist begegnet, begegnet der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Jesus Christus ist das vollkommene Abbild des Menschen. Gerade hier können wir die Freiheit des Menschen und die Güte Gottes und des Sohnes Gottes, Jesus Christus verstehen, der bereit ist dem Menschen zu helfen, wenn er versagt, wenn er sündigt. Und gleichzeitig richtet sich jeder, der sich für Jesus Christus zum Zeitpunkt der Empfängnis entscheidet, auf Jesus Christus aus und handelt mit Ihm; so wie Jesus Christus für die ganze Menschheit, für alle Geschöpfe lebt, alles in sich vereinen und zum Vater bringen möchte, so nimmt jeder Mensch, der Jesus Christus folgt, auch an seiner Mission teil. Seht, das ist die Basis der Vereinigung in Christus, die schon zum Zeitpunkt unserer Empfängnis vorgezeichnet ist und uns gerade die Grundlage unseres Lebens, unserer Ausrichtung und unserer Verantwortung erklärt.

Hören wir zu, was uns der Heilige Paulus aus seiner Erfahrung sagt.

Stefania Caterina: Lesen wir einen Abschnitt aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 3, 12-21: «In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt. Deshalb bitte ich euch, nicht wegen der Leiden zu verzagen, die ich für euch ertrage, denn sie sind euer Ruhm. Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt. Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen».

Pater Tomislav: Wir stellen uns also die Frage, wie wir konkret in den Geist und in den Geist Gottes eintauchen können. Wir haben diesen Text des Heiligen Paulus ausgewählt, um uns gerade sein Beispiel anzusehen. Er ist im Gefängnis, er leidet, aber er ist eingetaucht in den Heiligen Geist, er ist, wie ihr in diesem Text bemerkt habt, in diese dreifaltige Beziehung eingetaucht und überwindet die Schwachheit, er ruft uns dazu auf, auf unsere Schwachheit stolz zu sein. An einer anderen Stelle sagt er, dass er sich seiner Schwachheit rühmt, denn in seiner Schwachheit drückt sich die Kraft Gottes aus[5]. Wenn wir diese Szene genauer betrachten, so ist der Heilige Paulus im Gefängnis auf den Knien, aber warum ist er auf den Knien? Weil er in Mission ist, um den Gläubigen von Ephesus und auch uns diese Wahrheit, dieses Leben mitzuteilen. Betrachtet, dass seine Seele, sein Geist im Universum umherschweifen über die Grenzen jeder Logik, eines menschlichen Wunsches, einer menschlichen Macht hinaus. Wir sehen einen Menschen, der aus der Allerheiligsten Dreifaltigkeit hervorkommt, der in seiner Seele mit all ihren Kräften hervorkommt, der in seinem Körper hervorkommt und sich voll und ganz für das Volk Gottes hingibt, sich mit Christus aufopfert.

Was ist also wichtig für uns? Unser ganzes Sein muss durch unsere Seele in den Heiligen Geist eingetaucht sein, damit wir seine Früchte, die Tugenden und die Kräfte spüren können, dem Willen des Vaters durch den Sohn im Heiligen Geist unterworfen, und das führt uns zu einem vollständigen, makellosen Leben, geistig vollständig und makellos.

Die Königin des Friedens – wer in Medjugorje gewesen ist wird sich daran erinnern – hat ab 1984 die Pfarrangehörigen dazu eingeladen, sich jeden Donnerstag vor dem Allerheiligsten einzufinden und das Evangelium nach Matthäus zu lesen, Kapitel 6, Vers 24-34, diese Hingabe an Gott: «Sucht zuerst das Reich Gottes und alles übrige wird euch dazugegeben», und in einfacher Form ist es das, was ich euch sage.

In dem Buch „Über die Große Barriere hinaus“ haben wir eine Botschaft des Heiligen Josef[6] veröffentlicht – wir befinden uns mittlerweile in der Novene zum Heiligen Josef – und zwar über die jungfräuliche Stille: wenn eine Seele in Gott eintaucht, schweigt sie allem gegenüber und hört der Stimme Gottes zu, jener geheimnisvollen Stimme, die die Gott treue Seele in ihrem Gewissen, in ihrem Innersten, in ihrer Tiefe hört und wenn sie sich machtvoll öffnet, dann wird sie machtvoll wiedergeboren und erhebt sich zu Gott.

Ich, wir alle wünschen uns also, dass ihr weitergeht, dass ihr all das erlebt, denn sonst bleibt alles eine Theorie. Durch das, was ihr in euch erlebt, werdet ihr zur ewigen Wahrheit gelangen, denn in uns, im Geist begegnen wir dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist; auch wenn Gott transzendent ist, so ist Er in uns gegenwärtig, wie er in den Tempel von Jerusalem herabgekommen ist und so wie Er zu Pfingsten herabgekommen ist.

Ich segne euch, damit die dreifaltige Macht in euch herabkomme, in euch wirke, damit alle Kinder Gottes, die Jesus Christus zum Zeitpunkt der Empfängnis angenommen haben, jetzt die Unermesslichkeit der Gnade entdecken können, die durch Ihn geht und damit sie erkennen mögen, dass man nur durch Ihn in den Geist Gottes eintreten und sich zu Gott Vater erheben kann, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] „Die Geschichte neu schreiben – Band I – Im Gedanken Gottes“; dieses Buch ist derzeit noch nicht auf Deutsch erhältlich

[2] Vgl. Ex 33,7-11

[3] Vgl. Gal 5,22

[4] Verlag Luci dell’Esodo, verlag@lucidellesodo.com

[5] Cfr. 2Kor 12, 5-9

[6] Vgl. S. 209

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