Gedanken – „Am kosmischen Durchgang teilnehmen“

von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. Juni 2021

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche euch ein schönes Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Mögen wir es alle, die wir uns um sie versammeln, mit der ganzen Kirche des Universums im Heiligtum des Himmels feiern.

Das Thema, das wir heute vertiefen möchten, lautet: „Am kosmischen Durchgang der Menschheit teilnehmen“. Jetzt, während des Sommers, ist alles in Bewegung: Urlaubsreisen an verschiedene Orte, Pilgerreisen, Überlegungen, wo man sich am besten ausruhen kann, usw. Unser Leben befindet sich in ständiger Bewegung. Wie wir sehen können, trifft das auch auf die Pflanzen und Tiere zu, die wachsen und reiche Frucht bringen. Aber in uns kann dieses In-Bewegung-Sein auch um uns selbst kreisen, um unsere Worte, unsere Gedanken, unsere Wünsche und das bringt keine Frucht hervor.

In diesen Tagen, insbesondere in dieser Zeit, haben wir uns über das Thema „Die Gegenwart des Herrn unter uns“ Gedanken gemacht, um sein glorreiches Kommen vorzubereiten. Die Mutter Gottes, Königin des Friedens sagte uns, dass ihre Gegenwart in Medjugorje das Ziel hatte, das Christentum auf die neuen Zeiten vorzubereiten und hinzubegleiten.[1] Wir bleiben also bei dieser Tatsache stehen und versuchen den Weg zu verstehen, den wir gehen müssen, sowie das Ziel, das wir erreichen sollen, um nicht in unseren Gefühlen oder Wünschen, aber auch nicht in unserer menschlichen Liebe zu verharren, die mit unserem Tod endet, wenn sie nicht zu jener Nächstenliebe in Christus wird, die für die Ewigkeit bleibt.

Das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus gibt uns die Gelegenheit dazu. Gerade in der Liturgie des Festtages können wir die Etappen des Wegs der Apostel sehen und gleichzeitig auch jene, die wir durchlaufen müssen. Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 16[2] berichtet uns von der Offenbarung, der Eingebung an Petrus. Petrus erhielt vom Vater im Himmel die Eingebung zu offenbaren, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Jesus sagte, dass dies vom Vater käme und nicht Fleisch oder Blut, also der Mensch offenbart hätte. Als Jesus aber einen weiteren Schritt tun wollte, wollte Petrus aufgrund seiner Ängste sofort alles einschränken und Jesus daran hindern das zu tun, was der Vater von Ihm wollte. Jesus widersetzte sich Petrus daraufhin mit den Worten: «Weg mit dir, Satan. Du hast nicht das im Sinn, was der Vater will.»[3]

Von diesem Punkt ausgehend musste Petrus dann den Weg eines Jünger Christi gehen und lernen. Er musste dessen Passion betrachten und seine eigene Schwäche erfahren, als er Christus verleugnete und sich die Schuld gab, bis er eine Intimität mit dem Auferstandenen Christus erreichte und seine Liebe annehmen konnte, als er verkündete: «Du weißt, dass ich dich liebe. Du weißt alles.»[4] Hier können wir die innerliche Auferstehung von Petrus betrachten, aber wir dürfen auch hier nicht stehenbleiben. Petrus musste die Aufgabe des Hauptes der Kirche übernehmen, des ersten Zeugen Jesu Christi und als er begann, sein Zeugnis abzulegen, musste er durch seine Teilnahme am Auferstandenen Christus in einer Weise handeln, sozusagen jene Macht verwenden, die im Auferstandenen Christus wirkte, um Christus und sein Leben so zu offenbaren, wie sie waren.

Dem ersten Punkt, dem wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 10 begegnen, ist, dass Petrus seine Art zu Denken ändern musste. Er war verschlossen im Judentum, in den Traditionen, die für hochheilig angesehen wurden und er musste sie loslassen, um den Gesetzen des Heiligen Geistes unterworfen zu werden. Da gab es die berühmte Episode über die Vision der Tiere, die die Juden niemals aßen und der Stimme des Himmels, die sagte: «Petrus, schlachte und iss.» Selbstverständlich konnte er nicht alles verstehen, aber der Herr begleitete ihn mit Zeichen und sandte ihn zu Kornelius, einem heidnischen, aber gerechten römischen Hauptmann, der eine Vision von einem Engel hatte, der ihm sagte: «Lass nach Petrus schicken.» Kaum hatte Petrus begonnen, Jesus Christus zu bezeugen, kam der Heilige Geist auf jene Familie herab, was bedeutet, dass jener Panzer, der das Judentum vor der Botschaft Christi verschlossen hatte, zerbrach.

Aber Petrus musste noch einen weiteren Schritt gehen: jenen Juden entgegentreten, die bereits Christen geworden waren und sich dem widersetzten, was der Heilige Petrus getan hatte: er war in das Haus eines Heiden eingetreten. Und Petrus gab sein Zeugnis vor aller Augen ab und jene beruhigten sich. Die Heilige Schrift sagt: «Sie priesen Gott für die Gnade, die den Heiden geschenkt worden war.»[5] Der Durchgang von Petrus ist die Befreiung von einer mentalen Vorstellung, die gewissen Gesetzen der Vergangenheit diente – als Vorbereitung auf das Kommen des Messias –, die aber aus seinem Denken verschwinden mussten, da Christus, der Retter aller Menschen, des ganzen Universums ein für seine Liebe offenes Werkzeug benötigte, um seine Liebe zu allen Menschen zu bringen.

In der heutigen ersten Lesung aus der Apostelgeschichte[6] sehen wir das, was die Kommentatoren der Heiligen Schrift als das Ostern von Petrus bezeichnen. Der Apostel Jakobus war von Herodes hingerichtet worden. Herodes beschloss nun, um den Juden zu gefallen, auch Petrus hinzurichten. Er ließ ihn ins Gefängnis werfen, in Ketten legen und gut bewachen mit der Absicht, ihn nach dem Fest umbringen zu lassen. Petrus war bewegungsunfähig. Es gab keinen Ausweg, aber Gott sandte einen heiligen Engel, um das Gefängnis zu öffnen und Petrus hinauszuführen, und Petrus ging hinaus, um zu predigen.

Das ist eine Phase, die jeder von uns in sich selbst erkennen muss, und zwar dass wir an einen Punkt anlangen, an dem alles verschlossen ist. Alle menschlichen Werkzeuge verschwinden, wir liegen in Ketten. Weder unsere Seele, noch unser Geist können sich bewegen. Wenn wir am Werk Christi teilnehmen möchten, bringt Er alles in Bewegung, weil Er der König, der Rette des Universums ist. Es ist sehr wichtig, dass die Christen, die Gläubigen das in dieser Zeit verstehen, dass sie an dieser Macht des Auferstandenen Christus in ihrem Zeugnis, in ihren Bemühungen teilnehmen und diese Macht verwenden, die in uns hervorquillt, wenn wir am Osterfest des Herrn teilnehmen.

Wir gelangen zum Schluss zur letzten Etappe von Petrus in Rom, wo ihn der Herr, menschlich gesprochen nicht befreite, ihn aber für ein erfülltes Leben befreite. Petrus sprach hier sein: «Du weißt, dass ich dich liebe» aus und bezeugte, dass er Christus liebt, dass Christus sein Leben ist, mehr als das Leben auf der Erde. Sein Martyrium bedeutete nicht, sein Leben zu verlieren, sondern mit dem Leben des Auferstandenen Christus vereint zu sein und das hat sich an die Christen als lebendige Eucharistie weitergegeben, die die Kirche nährt. Ohne diesen Schritt gelangen wir Christen nicht zu jener Fülle in uns, diese Macht des Auferstandenen Christus quillt nicht aus uns hervor und wir überlassen den zukünftigen Generationen keine neuen, göttlichen Energien als Erbe, die das Volk nähren und begleiten. Das ist das Zeugnis des Oberhaupts der Apostel Petrus.

Im zweiten Brief des Heiligen Paulus an Timotheus finden wir in Kurzfassung den Weg von Paulus.[7] Ihr Christen wisst all, dass der Heilige Paulus von der Gnade wie vom Blitz getroffen wurde und sofort nach dieser Erfahrung ging, sein Zeugnis abzulegen. Es ist leicht, hier stehenzubleiben: „Ich warte auch darauf, wie vom Blitz getroffen zu werden.“ Nein, ich erhalte die Gnade, die für mich vorgesehen ist, aber meine Aufgabe ist es, an dieser Gnade teilzunehmen, die ich in mir habe und die mir der Herr jeden Tag schenkt. Paulus blieb nicht passiv bei diesem Ereignis stehen, er sagte: «Mein Sohn! Ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.» Paulus ist mit Christus auf dem Altar aufgeopfert. Auch er war lebendige Eucharistie und hinterließ uns diesen Reichtum in der Kirche. Er blieb nicht passiv, sondern sagte: «Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt»; sein Kampf, sein Lauf und er bewahrte die Treue und brachte Frucht. «Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.»

Der Heilige Paulus durchlief diese Phase und ihm war alles klar. Am Ende wir es allen klar sein, aber für manche wird es zu spät sein. Auf jene, die diesen Weg gegangen sind, wartet die Herrlichkeit. «Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft»[8], und er sagt: «Ich rühme mich meiner Schwachheit»[9], in unserem Alltag, aber wie können wir uns unserer Schwachheit rühmen? Der Heilige Paulus sagt, dass wir das deshalb können, weil wir die Gnade im Überfluss haben, um jedem Problem, jeder Provokation des Feindes entgegentreten zu können. «Damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.»[10] Ein treuer Diener Christi bis ins Letzte. Er wurde beschützt und auch wir werden beschützt, wenn wir an der Gegenwart Christi in diesen Zeiten teilnehmen. «Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen und retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.»[11]

Abschließend möchte ich fragen: welche Entscheidung treffen wir? Bleiben wir passive Christen? Dann verharren wir in uns selbst. Wollen wir Christen sein, die um ihre eigenen Ideen kreisen und versuchen, die Botschaft Christi zu beherrschen, um Trost hier auf der Erde zu finden? Dann verharren wir in uns selbst und zerstören die Botschaft Christi. Aber der, der die Botschaft Christi annimmt und am lebendigen Christus teilnimmt, dem Sieger über die Sünde und den Tod, der wird jeden Tag am Sieg teilnehmen, die Gegenwart des siegreichen Christus erfahren und von der Mutter Maria begleitet werden. Ohne diese Teilnahme wird die Menschheit diesen Schritt nicht gehen können. Die Kirche Jesu Christi des ganzen Universums ist damit beschäftigt, diesen Schritt zu tun, völlig an der Gegenwart Christi durch das Unbefleckte Herz Mariens teilzunehmen, um dieses Leben, diese Liebe zu offenbaren und umgewandelt zu werden. Wie das Evangelium sagt: «Nicht nur zur Ehre Gottes», sondern auch «Euch wird das Hundertfache bereits in diesem Leben geschenkt.»[12]

Die Christen müssen verstehen, dass sie sich in Zeiten befinden, in denen die Entscheidung nicht aufgeschoben werden kann, eine Entscheidung, die bedeutet, in allen Prüfungen und in jeder Situation aktiv an der Macht des Auferstandenen Christus teilzunehmen. Dann können wir Zeugen sein und durch uns werden sich Zeichen und Wunder offenbaren, durch uns wird Jesus Christus im ganzen Universum handeln. Das ist die Aufgabe der Kirche des ganzen Universums, und niemand kann Teil der Kirche Jesu Christi des Universums sein, der sich nicht entscheidet, an dieser Aufgabe teilzunehmen. In der letzten Botschaft der Muttergottes, Königin des Friedens[13] sagte Sie, dass Sie von Gott die Aufgabe erhalten habe, diese Zeiten vorzubereiten und jene zu begleiten, die sich dazu entschieden hätten, diesen Weg zu gehen und an der Kirche des ganzen Universums teilzunehmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ich wünsche euch also schöne Sommermonate, schöne Pilgerreisen, gute Erholung und schönen Urlaub. Auch die Pilgerreisen können trügerisch sein, wenn ihr irgendein Vergnügen oder einen kleinen Trost erhalten wollt. Der Trost Gottes ist überreich, wenn wir Gott in uns annehmen, sein Reich; wenn wir eine Pilgerreise unternehmen, um die Macht Christi in uns zu erwecken, um treu zu sein und all das der ganzen Menschheit mitzuteilen.

Ich wünsche euch ein schönes Hochfest und segne euch im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Botschaft der Allerheiligsten Jungfrau Maria vom 24. Juni 2021 „Vierzig Jahre mit mir in der Wüste dieser Erde“, veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[2] Mt 16,13-19

[3] Vgl. Mt 16,21-23

[4] Vgl. Joh 21,15-19

[5] Vgl. Apg 11,1-18

[6] Vgl. Apg 12,1-11

[7] Vgl. 2Tim 4,6-8.17-18

[8] Vgl. 2Tim 4,17

[9] Vgl. 2Kor 12,9

[10] Siehe Fußnote 8

[11] Vgl. 2Tim 4,18

[12] Vgl. Mt 19,29; Mk 10,29-30; Lk 18,29-30

[13] Siehe Fußnote 1