Gedanken – „Der feierliche Einzug“

von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. März 2021

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche euch eine gute Karwoche. Viele Male haben wir die Passion des Herrn gelesen und betrachtet, aber in diesem Jahr ist es besonders; unsere Art zu lesen muss besonders sein, aufgrund der Gnade, die wir erhalten haben. Das Wort, das mir in diesem Augenblick einfällt, ist der feierliche Einzug in Jerusalem. Mit diesem Wort „feierlich“ möchte ich den Weg des feierlichen Einzugs Jesu skizzieren und schließlich auch unsere feierlichen Versprechen: die Weihe an die Allerheiligste Jungfrau Maria und an die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Ich lade dazu ein, die Liturgie feierlich zu begehen, wie es der Vater und unsere Mutter[1] bezeichnet haben und dazu, innerlich unseren feierlichen Durchgang zu begehen, den wir aufgrund der Gnade leben und bezeugen können.

Wir bleiben also beim ersten Punkt stehen: der feierliche Einzug Jesu. In der Passion Jesu befindet sich das ganze Evangelium. Alles, was Er im Evangelium gesagt hat, wird in seiner Passion aufgezehrt und spiegelt sich darin wider. Vom Anfang der Passion bis zum Ende sehen wir Ihn in seiner Haltung in Gott eingetaucht. Wir sehen, dass die ganze Vergangenheit auflebt, die Prophezeiungen sprechen von Ihm, wie wir im Propheten Jesaia[2], beim Heiligen Paulus[3] und im Evangelium[4] gehört haben.

Das, was uns die Heilige Schrift zeigt, ist Jesus, der in seiner göttlichen Natur in unsere Natur eingetaucht ist. In seiner göttlichen Natur stellte Er sich zur Verfügung, um die Menschheit zu erneuern und neu zu erschaffen, um eine neue Menschheit zu erschaffen. Das, was man von Ihm sieht, ist, dass Er in jedem Abschnitt seiner Passion, die wir gelesen haben, erfüllt vom Heiligen Geist ist und auf feierliche Weise handelt: als Er an die Apostel das Mahl, die Eucharistie, verteilt, als Er darauf hinweist, dass ein Verräter unter ihnen ist, als Er darauf hinweist, dass Ihn einer von der Spitze des apostolischen Kollegiums verraten wird; insbesondere als Er vor dem Hohepriester steht und nicht ein Wort vergeudet, denn Worte zu vergeuden bedeutet schwach zu sein, nicht makellos. Dasselbe vor Pilatus, und alles schließt mit seinem Schrei: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»[5] Es ist ein Schrei, in dem das Leiden bis zum Äußersten geht, wo der Sturm uneingeschränkt wütet und völlige Finsternis herrscht. Aber Jesus verrät den Vater nicht, Er verrät Gott nicht und tritt gehorsam in das Grab ein, aus dem Er auferstehen wird. Wir müssen vor unseren Augen diesen seinen feierlichen Durchgang haben, um feierlich im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe weitergehen zu können, um in seinem Geist zu leben, insbesondere in diesem Jahr, in dem wir an seine lebendige Gegenwart glauben und sie feiern, in seinem zwischenzeitlichen Kommen. Wenn wir in allen Durchgängen unseres Lebens feierlich in unserem Innersten unseren Glauben bekennen, dann beschleunigt uns das und macht uns fähig, würdevoll Zeugnis seiner Gegenwart unter uns abzulegen.

Jesus ist durch jeden von uns hindurchgegangen und möchte mit diesem Hochfest, mit diesem feierlichen Einzug in unseren innerlichen Tempel eintreten und uns jene Gnaden schenken, die wir benötigen, um diesen Weg zu gehen. Wir befinden uns in einer Situation, die sich sehr von jener der Apostel unterscheidet, und zwar aus verschiedenen Gründen: vor allem liegt vor den Aposteln nicht die Erfahrung der Christen der Erde hinsichtlich dessen, was Jesus vor allem in den Aposteln und insbesondere in der Allerheiligsten Jungfrau und Mutter Maria vollbracht hat. Dieses Zeugnis der Apostel, der Allerheiligsten Mutter ist das Licht, das in uns den Weg unseres Glaubens erleuchtet. Nicht durch Zufall wurden wir von der Allerheiligsten Mutter, den Heiligen und den Engeln auf diese zwischenzeitliche Gegenwart Jesu vorbereitet und nicht durch Zufall haben wir die Existenz der Kirche des ganzen Universums verkündet, sowie die Tatsache, dass die Allerheiligste Mutter die Miterlöserin ist. Ich denke, dass wir alle erfahren haben, dass Sie die Miterlöserin ist und das nicht deshalb, weil es uns jemand gesagt hat. Jemand hat uns daran erinnert, wie ein Vater und eine Mutter den Kindern Wahrheiten in Erinnerung rufen. Ich wiederhole, dass Gott keinen Bund mit der Menschheit hätte eingehen können, hätte es nicht zumindest einen Menschen gegeben, der daran teilnahm. Gott bleibt Gott. Und auch die Aufnahme Marias in die Allerheiligste Dreifaltigkeit erfolgte auf diese Weise. Gemeinsam mit der Natur Jesu Christi musste auch die Mutter aufgenommen werden, um Leben hervorzubringen und die Schwächen zu bedecken, die wir in allen Aposteln gesehen haben und auch in uns sehen.

Ich möchte noch über einen feierlichen Aspekt sprechen, der in der Passion Christi zu sehen ist: wie wir in der Passion gehört haben, verkündete Jesus seinen Aposteln: «Nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.»[6] Hier ist es sehr wichtig, eine Unterscheidung für diese Zeit zu machen. Jesus sagte zu den Apostel: «Ich werde euch nach Galiläa begleiten, ihr werdet mich in Galiläa sehen». Für Judas ist es zu spät, er wird Ihn nicht als Auferstandenen sehen. Hier kommt ein für uns wichtiger Punkt ans Licht: die Verkündigung der Kirche Jesu Christi des ganzen Universums, denn diese Kirche des ganzen Universums trägt in sich das ganze Licht, das sich im Unbefleckten Herzen Mariens, in den Aposteln und in allen Heiligen angesammelt hat, und sie muss durch dieses Licht erstrahlen. Die ganze Kirche muss in das Licht eintauchen. Die Kirche wird vom auferstandenen Christus erleuchtet werden und dieses Licht seines Sieges widerspiegeln.

Es gibt einen Punkt, durch den sich unsere Zeiten von denen der Apostel unterscheiden, und zwar gab es in den Zeiten der Apostel auch einen Verräter. Im Laufe der Geschichte zeichneten sich verschiedene Verräter ab, aber in der Kirche Jesu Christi des Universums kann es keinen Verräter geben, sonst würde die Kirche zerstört werden und die Gemeinschaft in der Kirche dahinschwinden. Daher reinigt Gott diese Kirche und macht sie immer kompakter und sicherer in diesem Volk, von dem wir sprechen. In diesem Bewusstsein können wir wirklich diesen feierlichen Durchgang der Kinder Gottes in dieser Zeit leben. Wir wissen, was mit den Aposteln geschah: der Gute Hirte kam zurück, um jeden von ihnen zu besuchen und sich berühren zu lassen[7], und an diesen Punkt werden auch wir gelangen. Alle Gott treuen Menschheiten sind bereits an diesem Punkt angelangt und leben mit dem Auferstandenen Christus.

Die Schritte, die jeder von uns und wir alle gemeinsam tun müssen, sind alle in uns. Wir müssen uns bewusst sein: unsere Schwächen werden uns nicht aufhalten, weil der Gute Hirte kommt, um jeden von uns zu holen. Deshalb können auch wir wie Er im Garten von Getsemani weinen, aber wir müssen immer diesen feierlichen Bund in uns wiederholen: «Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).»[8] Alles, was wir im Glauben tun, was wir feierlich im Glauben bekennen, wird uns die Gnade schenken, den Weg bis ins Letzte zu gehen, wie auch Er bis ins Letzte gegangen und auferstanden ist, und das wird unser vollkommenes Zeugnis sein. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der jeden von uns und uns alle erwartet: das Zeugnis Seines Sieges in uns, aber nur, wenn wir diesen Weg gehen.

Wir haben über den feierlichen Weg Jesu in der Passion gesprochen. Die Ankläger sind ebenfalls perfekt, alle, vom Diener des Hohepriesters, über den Hohepriester zu den Politikern, Pilatus, die normalerweise das tun, was von Vorteil ist. Alles ist perfekt. Der Kontrast muss perfekt sein, damit sich die Menschheit auf endgültige Weise aufspalten kann: die neue Menschheit, die mit dem Auferstandenen Christus leben möchte und Gott Vater im Heiligen Geist Ruhm und Ehre schenken möchte, und die Menschheit, die lügnerisch und verräterisch bleiben möchte. Ich wiederhole noch einmal, dass wir in der Passion Christi die Schritte eines jeden von uns und von uns allen sehen können. Dort ist die ganze Psychologie zu finden, die ganze Pädagogik, dort ist alles zu finden. Wir müssen uns immer in der Passion widerspiegeln, nicht um zu leiden, sondern um hindurchzugehen, zu siegen und Zeugen des Sieges zu sein, denn in diesen Zeiten werden wir durch die Gnade auf den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens ausgerichtet, auf den Triumph des Herzens unseres Herrn.

Und ich segne euch und begleite euch mit meinem Gebet, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Botschaft der Allerheiligsten Jungfrau Maria vom 24. März 2021 „Wie Weizenkörner“, veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[2] Vgl. Jes 50,4-7

[3] Vgl. Phil 2,6-11

[4] Vgl. Mk 14,1-15,47

[5] Mk 15,34

[6] Vgl. Mk 14,28

[7] Vgl. Mt 28,16-20; Mk 16,9-20; Lk 24,36-43; Joh 21,1-14

[8] Vgl. Mk 14,36