Samstag der 31. Woche im Jahreskreis – Lesejahr I

Kirche Jesu Christi des Universums

von Mauro

(übersetztes Audio)

11.11.2023

Röm 16, 3-9.16.22-27; Ps 145(144); Lk 16, 9-15

Der Heilige Paulus schließt seinen Brief an die Römer[1] mit Grüßen und offenbart uns durch diese Grüße sehr viele Heilige und Apostel, die nicht zu denen gehören, die wir kennen, zu den bekannteren, die aber, wie der Heilige Paulus sagt: «[…]vor mir Apostel waren und sich schon vor mir zu Christus bekannt haben.»

Durch diese Grüße und aus dieser Sicht fällt etwas auf, das bekannt ist: Bei Gott gibt es keine Ersten und keine Letzten[2]. Gott beurteilt einen Heiligen nicht, wie wir es tun würden, größer, kleiner; das ist immer ein menschliches Urteil, eine menschliche Sicht. Bei Gott hat jeder, der den Herrn annimmt, seinen Geist annimmt, der Christus annimmt, die Fülle und es gibt keinen Ersten und keinen Letzten. Es gibt unterschiedliche Dienste aufgrund unterschiedlicher Gnaden, aber sie sind alle auf dieselbe Weise heilig.

Das Erste, was ich euch diesbezüglich sagen möchte, ist etwas, was ich schon oft gesagt habe: Versucht, die universale Gemeinschaft mit den Heiligen, den treuen Schwestern und Brüdern und den Engeln auf konkrete Weise zu leben; das heißt, sprecht mit ihnen, fragt sie, tauscht euch mit ihnen aus. Und gerade die Tatsache, dass es auch Heilige gibt, die nicht im Kalender stehen, die nicht bekannt sind, führt uns dazu zu sagen, dass es Heilige jeder Art gibt, aus jedem Bereich. Es gibt Landwirte, Maurer, Elektriker, Ingenieure, und bei allen können wir um Hilfe bitten, alle können wir bitten, erleuchtet zu werden, um die Wirklichkeit gemäß dem Gedanken Gottes zu verstehen. Das ist, worum es geht. Wir bitten nämlich um Hilfe, damit das geschieht, was wir möchten. Das ist immer noch eine Ebene des Urteils gemäß dem Geist der Welt. Wenn wir aber in eine Gemeinschaft mit ihnen eintreten, mit dem wahren Wunsch, jene Situation, in der wir ihre Hilfe benötigen, gemäß dem Gedanken Gottes zu verstehen, dann wird ihre Hilfe nicht ausbleiben und auf konkrete und direkte Weise kommen.

Die andere Sache, die mir einfällt und die auch mit dem Evangelium[3] zusammenhängt, ist, dass diese Menschen, die der Heilige Paulus in all seinen Briefen grüßt, die erste Kirche sind, es sind jene, die, indem sie Christus angenommen haben, geahnt und verstanden haben, was das wahre Leben ist und sich sofort zur Verfügung stellten. Sie stellten sich in den Dienst, um nach dem Geist Gottes zu leben und nicht nach der Welt. Wenn wir also an folgende Worte denken: „Sie ließen alles zurück, sie übergaben alles den Aposteln“ – oder? Apostelgeschichte[4]„Sie stellten sich in den Dienst der Verbreitung des Evangeliums“, dann mag uns das als etwas erscheinen, das nur von ihnen verlangt wurde. Aber, wenn wir es genauer betrachten, so ist es genau der tiefe Schritt eines Menschen, der versteht, was es heißt, Christ zu sein. Es bedeutet, nichts mehr mit dem Geist der Welt gemein zu haben, «Du kannst nicht Gott und dem Mammon dienen.»[5] Der Mammon ist die Welt.

Wir haben, meiner Meinung nach, einen großen Widerspruch in uns: Wir sind nach dem Abbild und Gleichnis Gottes erschaffen. Wir sind Kinder Gottes, wir haben die Möglichkeit, Ihm ähnlich zu sein, Dinge zu tun, die Er tut, seinem Gedanken gemäß zu leben, eins zu sein mit Ihm (das drückt die Eucharistie aus). Dazu haben wir die Möglichkeit und wir sind es. Die Allerheiligste Jungfrau Maria ist einzigartig, aber als Geschöpf ist Sie sogar in die Allerheiligste Dreifaltigkeit eingetreten, als Einzige. Aber das ist auch der Heilige Josef, und er ist nicht der Einzige, sondern das gilt auch für uns. Er sagt: „Durch Sie bin auch ich auf gewisse Weise in die Allerheiligste Dreifaltigkeit eingetreten.“ Wir wissen, dass nach dem Tod alle, auch die Heiligen, die wir kennen, nicht mehr so denken wie hier auf der Erde – das sagen sie selbst: „Seht mich nicht mehr so, wie ich damals war…“

Also, mit all diesen Möglichkeiten, mit all diesen Fähigkeiten sind wir dennoch auf das reduziert, was wir sind: unfähig, das Gute zu tun, tun wir das Böse, das wir nicht wollen. Das ist jener Durchgang, den meiner Meinung nach die ersten Christen verstanden haben und der auch uns bekannt ist: Mit der Erbsünde sind wir in gewisser Weise…, nein, nicht in gewisser Weise: Wir sind in Umstände gefallen, die nicht für uns vorgesehen waren. Wir waren dazu bestimmt, als Kinder Gottes zu leben und das sind wir immer noch. Jesus Christus hat unsere menschliche Natur angenommen, um genau diesen Weg zu wiederholen, um nach jenem Fall wieder zu Kindern Gottes zu werden. Hier müssen wir den treuen Schwestern und Brüdern begegnen. Die Umwandlung unseres Gedankens beginnt aber auch damit aufzuhören, selbst unsere Beziehung mit Gott, den Weg der Heiligkeit, das was wir tun müssen, immer am Gedanken der Welt zu messen. Ich hoffe ihr versteht, was ich sagen möchte.

Selbst unseren persönlichen Weg zu Gott messen wir, wenn ihr es genauer betrachtet, immer noch am Gedanken der Welt. Gewisse Vorstellungen, gewisse Formen der Religiosität sind uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, während hier alles neu ist. Auch wenn wir sagen: „Ich muss auf alles verzichten“, ist das ebenfalls ein Ausdruck der Welt. Wir müssen auf nichts verzichten. Wenn wir uns Gott anvertrauen, wird Gott das von uns nehmen, was nicht gut für uns ist, das ist alles. Er möchte uns in ein neues Leben führen, in dem alles neu ist. Das ist es, was die ersten Christen zu tun versucht haben.

Seht, das Evangelium wiederholt das immer wieder. Wenn es dort heißt: «Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Reichtümern», was bedeutet das? «Damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.»[6], «Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.» Es geht nicht um Reichtümer wie Geld, sondern um Reichtümer dieser Welt, des Gedankens dieser Welt, und daher sagt Jesus: „Alles, was der Welt angehört – dass ihr darin leben müsst, ist mir klar –, verwendet es für das Gute, verwendet es für Gott. Verwendet Gott nicht, um in der Welt zu leben, sondern umgekehrt.“ Das sagt mir das Evangelium.

Wir kehren immer wieder an diesen Punkt zurück: uns umformen zu lassen, zu erkennen – und das müssen wir tun –, dass wir nur aus einem einzigen Grund auf die Erde gekommen sind: Wir haben die Erbsünde erlitten, jetzt sind wir auf der Erde, weil uns noch eine Möglichkeit geschenkt wurde, uns zu entscheiden, ob wir zu dem zurückkehren möchten, was wir vorher waren: Kinder Gottes. Wir sind NUR DESHALB hier. Alles andere hat keinen Sinn, außer, um das zu verwirklichen. Darum geht es. Und diese Zeit wird zu Ende gehen. Wir befinden uns am Ende der Zeiten, denn diese Zeit ist uns geschenkt worden. Sie ist eine Gnade, und was für eine Gnade! Die Gnade, zurückzukehren zu können. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat sich für diese Gnade aufgeopfert, um sie zu erhalten, aber um zu dem zurückzukehren, was wir waren. Es hat keinen Sinn, uns an diese Erde und an alles, was von der Erde kommt, festzuklammern.

Ich lese euch noch Worte des Heiligen Paulus vor. Ihr kennt sie auswendig, aber in diesem Zusammenhang lese ich sie trotzdem noch einmal vor: «Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!»[7]

Ich weiß, dass wir diese Worte kennen, aber seht, welche Bedeutung sie haben… Er lädt uns ein, uns bewusst zu machen, dass unser Leben Gott angehört; nicht, weil wir darauf verzichten sollen zu leben, sondern weil wir von Gott ein Leben erhalten müssen, das sich erneuert, ein verklärtes Leben. Deshalb müssen wir uns als lebendiges Opfer darbringen. Wenn wir es genauer betrachten, so entspricht: „Ich bringe mich als Opfer für dieses oder für jenes dar“, immer noch unseren Vorstellungen. Wir bringen uns dar, um ein neues Leben zu erhalten, ein umgewandeltes Leben, das ein Geschenk für andere Schwestern und Brüder sein wird, das ein Geschenk für all jene sein wird, die in irgendeiner Weise mit uns verbunden sind.

Seht, das ist der einzige Weg, um unseren Glauben leben zu können. Es ist der Weg Abrahams, als er Isaak aufopferte[8]. Es gibt hier keine menschliche Logik, versteht ihr das? Ich fordere euch heraus, eine Logik zu finden, es gibt keine. Menschlich gesehen ergibt es keinen Sinn. Es ergibt nur im Glauben Sinn. Warum musste er den Sohn aufopfern? Warum müssen wir unser Leben aufopfern? «Wer sein Leben liebt, verliert es.»[9], weshalb? Weil uns dieses Leben WEH TUT, wenn es nicht dargebracht wird, sonst ergibt es keinen Sinn.

Immer noch der Heilige Paulus: «Denn ich sage euch, Brüder und Schwestern. Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.»[10] Was will er mit diesen Worten ausdrücken, wenn nicht das, was wir hier zu sagen versuchen? Dass die Welt – verheiratet oder nicht, ob wir kaufen oder nicht – keine Rolle spielt, diese Welt vergeht. Wir sind in dieser Welt und leben unser Leben hier, aber wir müssen es im Glauben an den Sohn Gottes leben, nicht, um uns in dieser Welt zu verwirklichen, sondern, um uns im Gedanken Gottes zu verwirklichen.

Ich denke, dass die Christen lau geworden sind. Sie haben diese Grundfesten verloren und daher hat die Religiosität Raum gewonnen; es haben das Gefühl, die Emotionen Raum gewonnen, alles auf der Ebene der Seele, um einen Begriff zu verwenden, den wir benutzen. Der Geist und die Gesetze des Geistes wurden immer weniger, daher erscheinen sie uns jetzt als etwas Unerreichbares, während es heißt «Seid heilig, wie euer Vater heilig ist.»[11] Der Heilige Paulus forderte alle auf, so zu leben, denn alle verhielten sich so. Wenn ihr es genauer betrachtet, scheint es, als würde er in den Grüßen sogar ein bisschen uns beschreiben. Es gab Lichtpunkte, sie trafen sich in jenen Häusern, es gab Hauskirchen, es gab Gruppen von Menschen. Es gab das, was wir tun müssen. Und aus diesen Orten, durch die der Heilige Paulus kam, ging ein Priester hervor, ein Hirte, und er legte ihm die Hände auf. Das ist es, was auch wir leben sollten. Es liegt natürlich auf der Hand, dass, wenn sie damals so weitergelebt hätten, gäbe es heute nicht eine Milliarde Getaufte, sondern eine Milliarde Christen. Möglicherweise wären es acht Milliarden Christen, wenn sie ständig so gelebt hätten, denn es gibt einen Unterschied zwischen Getauften und Christen.

Es bedeutet nicht, die eigenen Pflichten zu vernachlässigen, es bedeutet aber, sich danach zu sehnen, dass sich unser Geist mit dem Heiligen Geist vereint, um nicht von den irdischen Dingen beeinflusst zu werden, von allem, was vergänglich ist. Darin liegt die Schwierigkeit, hier sagt der Heilige Paulus: «Ich tue, was ich nicht möchte und es gelingt mir nicht das zu tun, was ich möchte.»[12] Diese Erfahrung werden wir immer machen, aber wir müssen immer von dem ausgehen, was ich zu sagen versuche. Wir werden unsere Begrenztheit erfahren, unsere Schwächen, und wenn wir uns dieser Schwächen bewusst sind, müssen wir sie zugeben, wie schön. «Denn wenn ich schwach bin, bin ich stark. Ich will mich also meiner Schwachheit rühmen.»[13], aber ausgehend von dem, was ich gesagt habe. Wenn wir hingegen vom Geist der Welt ausgehen, dann müssen wir unsere Schwächen verstecken, unsere Fehler rechtfertigen und auf eigenen Füßen stehen, und das ist schwierig.

Ich hoffe und glaube, dass wir als Kirche Jesu Christi, als diese kleine Gruppe, die wir sind, jetzt in dem Bewusstsein leben müssen, dass das Leben im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet, «nach dem zu streben, was oben ist.»[14], und meiner Meinung nach wird das eines der Dinge sein, die uns den Sprung erlauben, den treuen Schwestern und Brüdern auch im Körper zu begegnen, denn jetzt geht es nicht mehr um Konzepte. Die Konzepte haben wir verstanden, wir und sie, jetzt geht es um die konkreten Dinge.

Wenn wir die treuen Schwestern und Brüdern, wie ich gehört habe und wie ich oft gesagt habe, nur deshalb kennenlernen wollen, damit sie uns helfen, hier gut zu leben, dann werden wir sie nie kennenlernen. Sie werden uns helfen, den Gedanken Christi immer tiefer zu verstehen, das ja; zu verstehen, was Christus möchte, das ja; aber hier zu leben wird immer mühsam sein, weil es so ist, aber es ist eine Mühsal, die wir mit Freude aufopfern. «Ich vereine mit Freude meine Leiden mit den Bedrängnissen Christi.»[15] Es gibt keine Alternative, keinen anderen Weg. Außerhalb dieses Weges herrscht der Geist der Welt, und dort wird der Frieden durch Politik gesucht, durch Kompromisse. Ich hoffe, dass die Kriege aufhören, natürlich, aber ich weiß, dass es ohne den Herrn Jesus Christus, dem König des Friedens, nicht gehen wird. Selbst wenn sie für einen Moment aufhören, werden sie, besser organisiert, in ein paar Jahren einen neuen Krieg versuchen.

Ich übergebe Maria unseren Wunsch, diesen Weg zu leben, um wirklich in ihrem Gedanken zu sein, in ihrem Herzen, und um, von ihrem Herzen unterwiesen und umgewandelt, die Gemeinschaft mit der ganzen Kirche zu leben, eingetaucht in den Gedanken Christi, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Röm 16, 3-9.16.22-27

[2] Vgl. Mt 19, 23-30; Mt 20, 1-16; Mk 10, 28-31; Lk 13, 22-30

[3] Vgl. Lk 16, 9-15

[4] Vgl. Apg 4, 32-37

[5] Vgl. Lk 16, 13

[6] Lk 16, 9

[7] Röm 12, 1-2

[8] Vgl. Gen 22, 1-18

[9] Joh 12, 25

[10] 1Kor 7, 29-31

[11] Vgl. Lev 19, 2

[12] Vgl. Röm 7, 15

[13] Vgl. 2Kor 12, 9-10

[14] Vgl. Kol 3, 1

[15] Vgl. Kol 1, 24