Gedanken – „Sich zu Gott erheben“

von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. Mai 2021

Geliebte Schwestern und Brüder, heute machen wir uns über das Thema „Sich zu Gott erheben“ Gedanken. In meinem letzten Beitrag sprach ich über das Ende der Osterzeit[1]. Hier ist alles komprimiert, alle Geheimnisse Gottes, das ganze spirituelle Leben und wir können es von der Empfängnis bis zur völligen christlichen Reife betrachten, die uns in das Geheimnis Gottes führt, dahin, bei Gott zu sein. All diese Hochfeste sind also miteinander verbunden und es ist sehr wichtig, diese Einheit unter ihnen zu verstehen. Wir befinden uns in der Novene zum Heiligen Geist, denn in Italien wird die Himmelfahrt Christi am Sonntag gefeiert[2].

In dieser Woche bringt uns das Evangelium die Worte Jesu, der vom Vater spricht und den Aposteln und den Jüngern den Weg zum Vater zeigt und ihnen seinen Abschied auf deutliche Weise verkündet[3]. Wir können die Freundschaft verstehen, die zwischen Jesus und den Jüngern bestand, weshalb ihnen dieser Abschied schwerfiel. Andererseits musste Jesus zum Vater zurückkehren und jenen Weg schaffen, den die Christen gehen müssen, um dorthin zu gelangen, wo ihr Herr ist. Daher sagt Er im heutigen Evangelium, dem Evangelium von Samstag: «Ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.»[4] «Ich sage nicht, dass ich für euch beten werde», Jesus bringt uns in eine direkte Beziehung mit dem Vater, und das ist etwas Gewaltiges, Unbeschreibliches, wodurch wir, die wir aus dem Vater hervorgegangen sind, zu Ihm zurückkehren und eine direkte Beziehung mit dem Vater leben.

In diesen Tagen fahren wir fort, der Liturgie zu folgen und den Heiligen Geist darum zu bitten, uns zu erfüllen, aber wir müssen durch den Sohn im Heiligen Geist gehen, begleitet von der Unbefleckten Mutter, die die Braut schlechthin des Heiligen Geistes ist. Wir gehen den Weg, den Jesus gegangen ist und erheben uns zum Vater, aber wir müssen Jesus mit dem Vater annehmen, denn dort ist unser Platz. Wir sind Erben, Miterben, wie der Heilige Paulus sagt[5]. In Christus im Heiligen Geist können wir den Vater betrachten. Seht, wenn wir uns auf diese Weise erheben und den Vater um den Heiligen Geist bitten, so schenkt Er Ihn uns, wenn wir den Sohn annehmen. Er verweist uns auf den Sohn, um so zu leben, wie der Sohn unter uns gelebt hat. Wenn wir Jesus Christus uneingeschränkt annehmen, dann schenkt uns der Vater ein Übermaß an Heiligem Geist, an Leben und sendet uns, um das zu bezeugen, was wir gesehen und erlebt haben. Dann beginnt die gleiche Mission wie die der Apostel: wir werden gesendet. Wir müssen diesen Kreislauf gut erkennen und ihn richtig einordnen, denn es ist beinahe sinnlos, den Heiligen Geist um irgendeine Gnade zu bitten, darum, unterstützt zu werden oder eine Gnadengabe, eine Vision, eine innere Schau zu haben, usw. Wenn wir Jesus Christus nicht uneingeschränkt annehmen, dann kann auch der Heilige Geist nicht uneingeschränkt in uns wirken.

Nächste Woche beten wir drei Tage lange gemeinsam mit Jesus, dem Hohenpriester, sein Gebet: «Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.»[6] Das ist das ewige Leben und unsere Frage lautet: jene, die das „Vater Unser“ beten, kennen sie den Vater? Haben sie sich erhoben, um mit dem Vater im Geist in Beziehung zu treten? Diese Frage überlasse ich euch, jedem Einzelnen, um euch ein Bild über das Christentum zu machen.

Im letzten Teil seines Gebets sagt Jesus: «Ich bitte nicht nur für diese hier [meine Jünger], sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.»[7] Eins mit dem Vater zu sein durch den Sohn, jenes Leben zu leben, das geheimnisvoll und dunkel für jene ist, die nicht glauben, aber strahlend und klar in unserem Geist für jene, die Jesus Christus annehmen. Wir können also den einzigen, wahren Gott bezeugen und die falschen Götter und die falsche Religiosität entlarven. Die Frage ist: gelingt es euch, den einzigen, wahren Gott von einer oberflächlichen Haltung zu unterscheiden, in der es scheint, als wären alle Götter auf der Erde in einem Konzept „Gott“ zusammengefasst und als wären alle Religionen, die ganze Religiosität ebenbürtige Wege? Fragt euch selbst und bittet Gott um Erleuchtung, damit ihr den Vater durch den Sohn im Heiligen Geist erkennen könnt.

Wir haben einen Teil der Botschaft der Muttergottes vom 12. Mai 2021[8] zitiert. Jetzt lese ich den ganzen Abschnitt: Euch, Christen der Erde, sage ich, es ist Zeit, die Person meines Sohnes Jesus Christus wieder ins Zentrum eures Lebens zu stellen und nicht das Bild von Ihm, das ihr euch in eurem Kopf gemacht habt. Viele von euch haben das Bild Gottes verfälscht, um es eurem Abbild und Gleichnis anzupassen, während ihr Seinem Abbild und Gleichnis entsprechen müsstet. Löst euch ein für alle Mal von euren fixen Ideen, von euren Ängsten und Abhängigkeiten, die euch zu Gefangenen der Welt machen und euch in die Gewalt des Dämons bringen. Die Pandemie, die euch plagt, ist Frucht der Verdorbenheit eines Gutteils der Menschheit, des Wirkens des Bösen (großgeschrieben) und der Lauheit zu vieler Christen, die sich dem Wirken des Bösen kampflos beugen. Und wenn sie kämpfen, so tun sie es auf oberflächliche oder fanatische Weise, was nichts anderes als Spaltungen und Auseinandersetzungen hervorruft. Das Christentum der Erde ist für einige zu einer Ideologie geworden, die gewaltsam zu verteidigen ist und für andere eine Religion unter vielen, die auf diskrete, fast unsichtbare Weise zu leben ist. Nein, meine lieben Kinder, das Christentum ist die Änderung des Lebens, es ist Auferstehung. Christen zu sein bedeutet zu erlauben, dass Christus in euch regiert und durch euch in der Welt handelt; die Christen schenken der Welt Jesus und nicht sich selbst.“

Aber auch diese Worte der Muttergottes stellen vielmehr eine Frage dar, über die jeder von uns nachdenken sollte. Wir können niemandem etwas aufzwingen. Wir können lediglich diese Worte verkünden und jeder möge darüber nachdenken und sich im Innersten betrachten. Ich denke, dass viele von euch die Situation auf diese Weise sehen und ihr euch fragt, was zu tun ist, was man verändern könnte. Der Weg ist sehr einfach, wenn ihr ihn annehmt. Als die Allerheiligste Mutter vom Erzengel Gabriel besucht wurde, um Jesus zu empfangen, musste Sie dem Vater mit „Ja, ich empfange Ihn“ antworten. Dann kam der Heilige Geist auf Sie herab und Sie empfing durch den Heiligen Geist. Ein wahrer Christ muss seinen Geist zum Vater erheben und durch Jesus Christus darum bitten, den Vater und seinen Willen zu erkennen, denn sein Wille, sein Plan für jeden von uns besteht seit unserer Empfängnis. Und die ganze, wahre Christenheit müsste ihren Geist zum Vater erheben mit dem Wunsch, dem Vater unterworfen zu sein, dann wäre das kosmische Pfingsten von einer derartigen Macht, die den Dämon in die Hölle werfen würde.

Das ist das Prinzip: die Muttergottes sagte „Ja“ – Ja zur Empfängnis, Ja, um den Sohn zu stillen, Ja, um dem Sohn zu folgen und auf sein Wort zu hören, Ja, um zu Füßen des Kreuzes zu stehen und sich mit Ihm aufzuopfern und dann Ja zu seiner Auferstehung, die Sie bezeugen konnte. Und als Jesus in den Himmel zurückkehrte, brannte ihr Herz aufgrund des Wunsches, bei Gott zu sein, aber auch Gott benötigte eine Mutter und für uns zog Er Sie mit aller Macht zu sich. Das ist unser Weg. Auch wir werden, wenn wir Jesus mit ihrer Hilfe auf diese Weise folgen und in unserem Inneren zulassen, dass der Heilige Geist diese machtvolle Liebe freisetzt, früher oder später von der Liebe Gottes angezogen. Entweder wir gehen durch das Paradies oder wir, die wir die Seinen sind, werden, wie der Heilige Paulus sagt, am Ende der Zeiten umgewandelt und lebendig in den Himmel gebracht[9]. Das ist das Wirken des Dreifaltigen Gottes von unserer Empfängnis an und unser Leben hindurch in Erwartung dieses Endes. Dieses „Ja“ zu Gott zum Zeitpunkt der Empfängnis, das die Muttergottes gesagt hat, müssen wir mit ihrer Hilfe wieder reinwaschen und wir müssen in diese Macht des Heiligen Geistes eintreten, damit Jesus in uns durch die Macht des Heiligen Geistes wirken kann.

Es gibt einen weiteren Punkt, um auf einfache Weise verstehen zu können, wie man in den Himmel hinaufsteigt, und zwar durch die Worte Jesu «Folge mir nach»[10], und dann sagt Er: «Wer sein eigenes Leben retten will, wird es verlieren, wer sein Leben für mich, für das Reich Gottes verliert, wird es retten.»[11] Die Frage ist also: sind wir bereit, Jünger Christi zu sein, um unseren Geist bereits jetzt durch Ihn im Glauben und in der Hoffnung zu erheben? Wenn wir unseren Weg anhand unserer Prüfungen gehen, erheben wir uns immer mehr und treten in die Dimension des kosmischen Pfingsten ein, das den Prozess auf der Erde und im ganzen Universum beschleunigt. Machen wir das und erheben wir uns im Heiligen Geist, ungeachtet unserer Prüfungen und der Provokationen Satans, dann sind wir Sieger und in uns sind die Auferstehung und der Eifer, die neue Schöpfung zu erreichen und den Gesetzen des reinen Geistes unterworfen zu sein. Die Frucht davon wirkt sich auf die Erde und das ganze Universum aus. Die Frucht ist die neue Schöpfung, die neue Ordnung im ganzen Universum.

Das sind einfache Dinge im Glauben, die euch jeder, der im Namen Jesu Christi predigt, erklären könnte. Es sind keine privaten Erfindungen oder Visionen. Das ist das Herz unseres Glaubens und das ist die Vollendung des österlichen Zyklus, den wir völlig leben möchten.

Zuletzt muss ich hinzufügen, dass die Zeiten so sind. Wenn wir Christen sein möchten, bleibt uns wenig Zeit, uns zwischen dem „Ja“ und dem „Nein“ zu entscheiden. Wir werden immer mehr in die Enge getrieben. Wir können nicht gleichgültig sein oder stillstehen. Zumindest im Glauben müssen wir diesen Weg sehen, denn wir werden, während wir auf unserem Weg unterwegs sind, immer mehr erfahren, dass wir mit dem Vater beten, dass wir eine direkte Beziehung mit dem Vater, einen Austausch haben durch Jesus Christus. Unser Geist kennt den Vater, er kennt den Ursprung. Und für die Menschheit, auch für die Christen und für Menschen, die gewisse religiöse Formen praktizieren, zeichnet sich eine Zeit ab, in der der Herr nicht mehr antworten wird: «Ich kenne euch nicht», sagt das Evangelium, «Aber, wie kannst du uns nicht kennen? Wir haben mit dir gegessen, wir haben in deinem Namen auf den Plätzen gepredigt, wir haben Wunder getan und Prophezeiungen gegeben. Wir haben Dämonen vertrieben». «Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Verfluchten»[12]. Die Menschheit wird mächtig erschüttert und zu einer Veränderung aufgerufen werden. Die Christen sind aufgerufen, aufzuwachen und eine tiefe Beziehung mit Gott zu leben, sonst werdet ihr die Erfahrung machen, dass ihr eure lieben Heiligen anruft und diese keine Antwort geben, euch nicht erhören, da Gott nicht mehr antwortet, da ihr nur mehr lebt, um auf der Erde zu überleben. Das Leben mit dem Vater durch den Sohn interessiert euch nicht.

Das ist einleuchtend. Es ist leicht, die Schritte abzuleiten und zu sehen, aber ab jetzt kann man nur mehr in der Kirche des ganzen Universums leben und diesen Programmen folgen. Wir müssen uns miteinander vereinen und diese Programme beschleunigen, damit auch die Erde verändert und den Gesetzen des reinen Geistes unterworfen wird und wo kein Platz mehr für Luzifer sein wird.

Wir beten für euch und wünschen uns, dass auch ihr euch in diesen Tagen klar ausrichten könnt. Und ich segne euch, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Gedanken von Pater Tomislav vom 12. Mai 2021 „Der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens“, veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[2] In Italien wird Christi Himmelfahrt am 7. Sonntag der Osterzeit gefeiert.

[3] Vgl. Joh 16,29–17,26; 21,15-19

[4] Joh 16,26-28

[5] Vgl. Röm 8,17

[6] Joh 17,1-3

[7] Joh 17,20-21

[8] Vgl. Botschaft der Muttergottes mit dem Titel „Erlaubt, dass mein Herz in euch triumphiert“, veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[9] Vgl. 1Kor 15,51-53

[10] Joh 21,19

[11] Vgl. Mt 16,24-25; Mk 8,34-35; Lk 9,23-24; 17,33

[12] Vgl. Lk 13,22-30; Mt 25,31-46