Heilige Klara

Heilige Klara

11.08.2025

Lesung: Phil 3,8-21; 4,4-9

Einführung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gott Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes seien mit euch allen.

Ich glaube, dass es uns nicht gelingt, die Bedeutung der Heiligen Klara und des Heiligen Franziskus für uns völlig zu verstehen, und ich glaube, dass wir sie erst dann herausfinden werden, wenn wir ihnen begegnen. Ich denke, dass uns die Aufmerksamkeit, die sie uns schenken, ihre Mütterlichkeit und Väterlichkeit noch weitgehend unbekannt sind. Wir alle fühlen uns zu Franziskus und Klara hingezogen und sind von ihnen angetan, aber gelingt es uns, dieses Angetan-Sein in Gemeinschaft, in einen Dialog mit ihnen zu verwandeln: „Was hat euch angetrieben, wie habt ihr das gemacht?“

Ich glaube, dass sie sich mehr als wir darüber freuen, uns dabei zu helfen zu verstehen, was sie angetrieben hat und wie sie es gemacht haben, gerade wegen der Liebe, die sie für uns empfinden und gerade weil wir diejenigen sind, die dasselbe Werk fortsetzen, das sie nicht vollenden konnten. Sie sind darauf bedacht, dass wir es vollenden, sonst bliebe auch ihr Werk unvollendet. Sie sind untrennbar mit uns verbunden. Es gibt die Franziskaner, die Klarissen und viele Heilige in der franziskanischen Familie, aber das war nicht das, was sie in ihren Herzen trugen. Sie wünschten sich ein Volk wie das unsere, Brüder und Schwestern, Männer und Frauen, die auf der Suche nach dem Herrn leben.

Deshalb bitte ich Dich, Vater, auch heute mit deiner Vergebung die Fesseln in uns zu lösen, die uns daran hindern, die Freiheit von Franziskus und Klara zu leben, eine Freiheit, die ihnen verwehrt wurde völlig zu leben, die sie aber kosteten und berührten. Sie opferten auch auf, dass es ihnen unmöglich gemacht wurde, frei zu leben; sie wussten darum und opferten es auf.

Deine Vergebung möge in all die Tricks eindringen, die wir anwenden, und unseren Gedanken von all den Lasten befreien, die uns die Welt auferlegt hat, die uns die Erziehung und die Normalität nach dem Geist der Welt auferlegt haben. Befreie uns von all den Fesseln, die die Erde letztendlich zum Fegefeuer machen, nahe der Hölle. Deine Vergebung möge uns jene Flügel zurückgeben, die unsere Seele seit ihrer Empfängnis hat, weil sie geschaffen wurde, um mit Dir völlig die mystische Vereinigung zu leben, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Barmherziger Gott, der Du der Heiligen Klara eine glühende Liebe zur evangelischen Armut eingegeben hast, gewähre auch uns auf ihre Fürsprache hin, dem armen und demütigen Christus nachzufolgen, damit wir Dich in der vollkommenen Freude deines Reiches schauen dürfen. Darum bitten wir Dich durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Gedanken

Einen schönen Feiertag euch allen!

Ich glaube, dass diese Worte, die der heilige Paulus an die Philipper[1] geschrieben hat, das normale Lebensprogramm für einen Christen sind und kein außergewöhnliches, und daher umso mehr für uns gelten.

Ich glaube, dass das eigentliche Problem, warum wir heute in dieser Welt so leben, wie wir leben, darin liegt, dass die Nachricht verbreitet wurde, dass diese Dinge außergewöhnlich sind. Das war der größte und schlaueste Trick Luzifers, mit dem er alle eingefangen hat. Nur sehr wenige entrannen seinem Netz, und das waren Ausnahmefälle: die Heiligen; normal ist es, dem Geist der Welt anzugehören. Als man begann, nach dem Geist der Welt zu denken, wurde das, was nicht richtig war, richtig, das, was nicht schön war, schön, das, was überhaupt nicht gut war, gut.

Heutzutage sind wir an einem Punkt angelangt, an dem sogar das, was teuflisch ist, als heilig angesehen wird, und man versteht nicht mehr, was richtig ist. Nach dem Kommen und Gehen des Falschen Propheten sind wir an diesem Punkt angelangt: Man weiß nicht mehr, was richtig ist. Zweitausend Jahre Verwirrung… und sein Siegel! Aber auch wenn wir es nicht wollten, Gott sei gedankt, wurden wir ausgeschlossen, und wir sind die Kirche Jesu Christi des Universums, wir haben Franziskus und Klara, Maria und Josef als Vater und Mutter und sind mit der Zentralen Zelle und den treuen Schwestern und Brüdern vereint.

Ich komme auf Paulus zurück. Jeder von uns, der dem anderen schreibt, sollte das, was Paulus sagt, mit seinen eigenen Worten und in seiner Einzigartigkeit schreiben. Diese Worte wurden auch von Chiara und Franziskus geschrieben. Und ich bin sicher, dass jeder von euch, mich eingeschlossen, von diesen Worten erobert wurde. Leider kühlen wir dann mit den Strömungen des Geistes der Welt ab und erwärmen uns wieder, kühlen ab und erwärmen uns wieder, nicht wahr? Aber diese Worte haben uns erobert, denn sonst hättet ihr nicht die Schritte unternommen, die ihr alle unternommen habt: Ihr habt dies und das aufgegeben, ihr seid in unsere Dörfer umgezogen, habt mutige Entscheidungen getroffen. Ihr habt das getan, weil ihr euch von Christus habt erobern lassen und diese Worte von Paulus sagen könntet. Dann habt ihr Höhen und Tiefen, ich weiß.

Also habe ich mich gefragt: Wie haben Klara und Franziskus das gemacht? Woher nahmen sie die Kraft und den Mut, nach dem ersten Ja, das auch wir alle gesagt haben, den Prüfungen dieser Welt zu widerstehen? Sie haben sich gegenseitig sehr geholfen, das wissen wir. Auch nachdem sie gezwungen wurden, sich zu trennen, war es für Franziskus unumgänglich, in den schwierigsten Momenten zu Klara gehen. Oft kam er völlig erschöpft an und kehrte nach einer Zeit mit ihr wieder voller Kraft zurück.

Der Heilige Paulus schließt mit den mutigen Worten: „Tut, was ich getan habe“[2]; er sagt dies in mehr als einem seiner Briefe; er hat diesen Mut: „Nehmt mich zum Vorbild.“[3]

Wenn wir Franziskus und Klara als Vorbilder nehmen – man konzentriert sich immer auf die Armut –, so bestand die Armut, die sie lebten, nicht darin, kein Geld zu haben, Bettler zu sein, sondern sie bestand in der Armut gegenüber der Welt, in der Loslösung von der Welt. Sie wollten nichts mit dem Geist der Welt zu tun haben. Um diese Armut geht es! Es gibt viele Episoden von Franziskus, die auch für Klara gelten. Die berühmteste, die ihr schon öfter von mir gehört habt: Franziskus wird eine Ölmühle geschenkt, in der er Öl herstellen kann, zusammen mit dem ganzen Olivenhain. Er erhält sie, verbringt dann die Nacht im Gebet und sagt am Morgen: „Ich habe verstanden, dass ich mich, wenn ich die Ölmühle habe, darum kümmern muss, Öl herzustellen. Ich muss mich um Diebe kümmern, die kommen, um mein Öl zu stehlen. Ich muss einen Zaun bauen, sonst kommen Tiere und fressen meine Pflanzen, ich muss…“ Er geht zu demjenigen, der ihm die Ölmühle geschenkt hat, und sagt: „Hör mal, behalte sie, mir geht es besser ohne all dem.“ Aber es ging nicht um eine Armut, in der man nichts hat, sondern um eine Armut, um frei vom Geist der Welt zu sein. Versteht ihr? Hätte er die Ölmühle genommen, wäre das in Ordnung gewesen; das Problem war all das, was sich daraus ergab, mit der Welt zu tun zu haben.

Wenn wir also Franziskus und Klara betrachten, ist klar, was sie getan haben, das wisst ihr alle. Beide haben alles aufgegeben. Sie haben alles aufgegeben und mussten vor ihren Verwandten, den Priestern, den Wohlmeinenden, den Gutmenschen fliehen, die ihnen immer wieder sagten: „Aber nein, wir geben euch ein Kloster.“ Sie sagten zu Klara: „Du kannst eintreten in… (ich weiß nicht mehr in welchen Orden)”; der Bischof versuchte mit allen Mitteln, Franziskus… Sie mussten vor allen fliehen. Sie mussten mit allen brechen, sonst hätten sie es nicht geschafft. Von allen, die versuchten, sie davon zu überzeugen, nach weltlichen Maßstäben zu denken, distanzierten sie sich. Jeder sollte sich fragen, ob das nicht ein wenig auf uns alle zutrifft.

Aber wir sehen auch, wie es ausgegangen ist: Heute ist der Gedenktag der Heiligen Klara. Ich sage euch: Sie hatte keine andere Wahl, als zu fliehen, die Verbindung abzubrechen. Aber was hat dieser Weg bewirkt? Sie hat alle ihre Verwandten für sich gewonnen: Ihre Mutter trat ins Kloster ein, ihre Schwester trat ins Kloster ein, ganz Assisi folgte Franziskus und Klara, alle. All jene, die sie zuvor kritisiert hatten, all jene, die zuvor versucht hatten, sie aufzuhalten oder sie mit „Wir geben dir dies, wir geben dir das“ zu überzeugen, all jene vor denen sie geflohen waren, kehrten zu ihnen zurück und begegneten Christus. Sie haben sie für Christus gewonnen.

Das ist der Weg, es gibt keinen anderen. Wahre Liebe bedeutet, diejenigen, die man liebt, für Christus zu gewinnen. Und wie sieht dieser Weg aus? Keine Kompromisse einzugehen. Jeder Kompromiss bedeutet „ich werde es nicht schaffen”, jeder Kompromiss bedeutet, Luzifer als Partner mit ins Boot zu holen, und dann können wir es nicht schaffen.

Auch Franziskus und Klara gelang es nicht, alles zu tun, was sie tun sollten. Sie vollendeten ihre Mission nicht. Ich sage euch das nicht, um euch zu entmutigen, sondern um euch zu verdeutlichen, wie hart unser Kampf ist; deshalb müssen wir so radikal sein, denn wir haben es mit einem starken Gegner zu tun. Es stimmt, dass Gott allmächtig ist, aber seht, Luzifer ist stark, er meint es ernst und er ist auch noch böse, und wenn man ihm auch nur den geringsten Kompromiss einräumt, vernichtet er einen. Die beiden, die versuchten, keinen mit ihm einzugehen, haben es nicht geschafft. Ich kann jetzt nicht prüfen weshalb, ich kann nicht versuchen zu verstehen: „Was haben sie wohl getan?“ Auch sie werden irgendetwas getan haben, sie waren Menschen, irgendeinen Fehler werden sie gemacht haben. Sie sind im Himmel, und ich wäre gerne dort, wo sie sind! Aber es ist eine Tatsache. Nur Jesus Christus und die Muttergottes haben keine Fehler gemacht. Der Feind ist stark.

Wie ich bereits gesagt habe, ist es nun das größte Anliegen von Franziskus und Klara, uns dabei zu helfen, Gottes Pläne zu verwirklichen, und diese Hilfe sollten wir nicht wegwerfen. Hier muss ich zu Paulus zurückkehren, zu diesem Brief[4]; ich muss dorthin zurückkehren, weil ich weiß, dass wir alles haben, was wir brauchen: Ich weiß es, es wurde mir gesagt, ich sehe es, es ist mir klar. Ich weiß, dass auch jeder von euch berufen wurde und alle Gnaden hat, um zu tun, was er tun muss. Wenn ich sage: „Ich weiß, dass wir alles haben, was wir brauchen”, dann gerade deshalb, weil ich euch anschaue, noch mehr in diesem historischen Moment.

Ich weiß, dass wir unzerstörbar und unbesiegbar sind, wenn wir uns alle ganz und gar in den Dienst des Werkes Gottes stellen. Wir sind stärker als die Hölle und alle Religionen und jede Religiosität, die es gibt; nicht stark, um sie zu besiegen, sondern stark, um durch sie hindurchzugehen und alle für Christus zu gewinnen: Gott hat uns alles gegeben. Er hat nicht alles Pater Tomislav und Stefania Caterina gegeben, sondern hat alles unter uns verteilt und jedem von uns seinen Teil gegeben, damit wir sein Mystische Leib sein können. Auch dank Klara und Franziskus. Das ist großartig!

Wir sind alle vorgesehen, aber damit uns das alles gelingt, muss jeder von uns ein starkes Feuer in sich spüren – und wenn er es nicht spürt, muss er nach dem Grund suchen –, ein Feuer, das ihn manchmal auch leiden lässt, ja, denn auch dieses Leiden ist notwendig. Aber was ist dieses Feuer? Was hallt laut wider? Eine Stimme, ein Feuer – nennt es, wie ihr wollt –, das euch immer wieder zuruft: Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu alles übertrifft.[5] Wenn ihr das nicht habt, dann sucht euch ein Feuerzeug, tut etwas, um dieses Feuer zu entfachen! „Ich halte alles für Unrat im Vergleich zur Erkenntnis Christi“, alles. Ohne dieses Feuer helfen uns nicht einmal die lebendige Gegenwart von Klara, der Allerheiligsten Jungfrau Maria, den Erzengeln und – es tut mir leid, das sagen zu müssen – nicht einmal die Leiden von Pater Tomislav, die er für uns auf sich genommen hat, wenn wir dieses Feuer nicht haben. Aber wenn wir dieses Feuer haben, dann steht die ganze Kirche hinter uns und Pater Tomislav mit seinem Opfer, dann kann uns niemand aufhalten, niemand! Alles, was wir beschlossen haben, in Angriff zu nehmen, wird nicht nur vollendet werden, sondern sich noch ausweiten. Aber dazu sind wir alle notwendig.

Ich komme also zum Ende. Ich möchte heute die Heilige Klara bitten, dass sie jedem von uns sein Innerstes, seinen Verstand erleuchte, dass sie uns keine Möglichkeit lässt, uns zu verstecken und zu schummeln, sondern dass sie das erleuchtet, was wir immer noch für wichtiger halten als Christus zu kennen. Sie möge es uns zeigen, damit wir es vor Gott hinhalten und verstehen können, was wir tun möchten. Ich bitte sie, gemeinsam mit Franziskus zum Vater zu beten und Ihn zu ersuchen, uns das zu nehmen, was uns noch daran hindert, in das wahre Leben einzutreten; jenes Leben, das auch dank ihnen beiden, Klara und Franziskus, dank Pater Tomislav und Stefania Caterina und all jenen für uns vorbereitet wurde, die vor uns gelitten haben, damit wir jetzt unseren Beitrag leisten.

Danke!

Wir rufen alle Franziskaner aller Epochen, aller Zeiten, wir rufen alle Mitglieder der Kirche Jesu Christi, die diese Zeiten vorbereitet haben, jedes Ja zu Gott zum Zeitpunkt der Empfängnis, das erweckt werden muss, alle Kleinen, Einfachen, Unterdrückten, alle, die auch in dieser Zeit unter den schrecklichen und furchtbaren Dingen leiden, die auf dieser Erde geschehen – wir leben in Zeiten, die wirklich nicht nur schlecht sind, sondern noch schlimmer – lasst uns all den Schmerz, all das Leid, all das Gute sammeln.

Und diejenigen, die bereit sind, getauft zu werden, taufe ich auf den Namen Klara und Franziskus, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ich spreche euch von euren Sünden los, ich präge das Siegel des Heiligen Geistes in euch ein, ich schenke euch das Zeichen des Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens und vereine euch mit der Kirche Jesu Christi des Universums.

Ich befehle dir, Luzifer, mit deiner ganzen schwarzen Kirche in den Schwefelsee zu verschwinden, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Schluss und Segen

Und all jene, die viele von euch für eure Entscheidungen kritisieren und sagen: „Gott trennt nicht, Gott verbindet“… mögen das dem Heiligen Franziskus und der Heiligen Klara sagen – es gibt noch viele andere, aber heute diese beiden –, dass Gott verbindet. Ihr alle kennt die Geschichte von Franziskus und Klara, oder?! Er hat sie nicht wirklich verbunden.

Dein Segen, o Herr, komme heute über die ganze franziskanische Familie aller Zeiten, dein Segen erreiche deine ganze Kirche im ganzen Universum, komme auf die Schöpfung herab, auf uns, um in uns all jene Fähigkeiten und all jene Realitäten zu öffnen, die seit jeher lebendig sind, um die Gemeinschaft mit der ganzen Kirche des Universums und mit der Schöpfung zu leben.

Wir danken Dir insbesondere für Klara, für Franziskus und für jene, die uns den Weg bereitet haben. Deshalb möchten wir Pater Tomislav und Stefania segnen und jene, die uns mit ihnen und vor ihnen begleitet haben.

Dein Segen komme über die ganze Stiftung, über all unsere Heiligtümer, er komme in besonderer Weise über jene, die leben wollen, um Christus zu kennen, über jene, die „alles für Unrat halten im Vergleich zur Erkenntnis Christi“; dein Segen vertreibe den Geist der Welt, er vertreibe Luzifer und seine Verführung und schleudere alle, die sich für immer für ihn entschieden haben, in die Hölle, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Phil 3,8-21; 4,4-9

[2] Vgl. Phil 4, 9

[3] Vgl. 1Kor 11, 1 und Phil 3, 17

[4] Vgl. Phil 3,8-21; 4,4-9

[5] Phil 3, 7-8