Kirche Jesu Christi des Universums
von Mauro
1.6.2024
(übersetztes Audio)
Fronleichnam – Fest des Leibes und Blutes Christi
Ex 24, 3-8; Ps 116(115); Heb 9, 11-15; Mk 14, 12-16.22-26
Hier in Italien stehen wir am Vorabend des Fronleichnamsfestes, des Festes des Leibes und Blutes Jesu.
Der Gedanke an den eucharistischen Jesus, der Gedanke an dieses Fest lässt in mir die Worte des Heiligen Paulus hochkommen: «Der Herr Jesus Christus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.»1 Man könnte diese Worte fortsetzen und sagen: und dann erstand Er von den Toten, beschloss aber, in der Eucharistie bei uns zu bleiben und mit uns das Gedächtnis des Neuen Bundes zu feiern, bei dem Er sich fortwährend aufopfert.
Diese Worte bringen mich dahin, mich zu fragen – und ich denke, das trifft auch auf euch zu – woher denn diese Liebe kommt? Es gelingt mir nicht, eine Antwort darauf zu finden – und ich werde euch damit lästig fallen – aber eine Liebe, die uns, obwohl sie unsere Schwächen, unsere Schwierigkeiten kennt, nicht nur erlöst, uns das Leben schenkt, uns die Möglichkeit zurückgibt, zum Vater zurückzukehren, uns einen Weg öffnet, den wir nur einschlagen müssen, sondern gerade weil diese Liebe uns kennt, in diesem Gefängnis bleibt. Die Eucharistie ist wirklich ein Gefängnis für Jesus, Er ist dort aufgeopfert, wehrlos. Er ist dort als Schutz.
Wenn man sich ansieht, wo früher Kirchen gebaut wurden, so war das kein Zufall. Zunächst einmal waren es sicherlich Orte, die der Anbetung halfen, aber wenn man spazieren ging, wanderte oder reiste und den Blick schweifen ließ, konnte man immer die Eucharistie finden. Es gelang einem immer wieder, mit Gott in Verbindung zu kommen.
Der Heilige Franz von Assisi, der nicht jeden Tag zur Kommunion gehen konnte, kniete dort nieder, wo er einen Glockenturm erblickte und verweilte dort. Er vergaß die Zeit, er wusste, dass dort sein Herr war, aus Liebe eingesperrt.
Ich denke, dass die Betrachtung dieser Liebe uns automatisch auf die Bedeutung unseres Lebens im Hinblick auf die Ewigkeit hinweist, denn wenn ein Gott gekommen ist, um so viel zu tun und dies auch weiterhin tut – ein Gott! – wenn Er anerkennt, dass wir so viel verdienen, so bedeutet das, dass unser Leben sehr viel wert sein muss, dass es im Hinblick auf die Ewigkeit wirklich wichtig sein muss. Ich sage im Hinblick auf die Ewigkeit, weil Er das gesagt hat. Das ganze Evangelium erklärt das. Jesus ist gestorben, Er hat gelitten, was Er gelitten hat, aus Liebe bleibt Er weiterhin unter uns und leidet, aber immer, um uns in diese Ewigkeit zurückzubringen, nicht für dieses Leben, denn das Evangelium ist voll von Aussagen wie: «Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich…2 Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus…3 Es ist besser, sein Leben zu verlieren… wer es hier auf Erden retten will, wird es verlieren4.» Es ist klar, dass Er nicht über dieses Leben spricht.
Ich denke, wenn die Zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit all dies für uns tun muss, dann muss sie uns zwingen zu verstehen. Was bin ich also wert? Was ist in dieser Ewigkeit? Was ist sie wert? Was bedeutet es für mich, wieder in diese Liebe einzutreten, aus der ich gekommen bin? Vielleicht hilft es uns, uns ein wenig von der irdischen Dimension zu lösen. Vielleicht hilft es uns, uns auf die wahren Werte zu besinnen. Was ist es, das zählt? Darf ich den Neuen Bund, den der Herr für mich geschlossen hat, wirklich dafür nutzen, um hier auf der Erde besser zu leben, oder sollte ich nicht lieber ein bisschen mehr darüber nachdenken, was meine Ewigkeit ist, und hier auf der Erde im Hinblick auf und für die Ewigkeit leben?
Ich sage das, weil ich nicht glaube, dass diese Haltung auch für Christen einfach, selbstverständlich oder klar ist. Diese Woche feiern wir übrigens am Freitag das Heiligste Herz Jesu und am Samstag das Unbefleckte Herz der Muttergottes. Auch das sind Beispiele für diese Liebe. Wir Christen leben die gesamte Liturgie des Jahres immer auf diese Dimension ausgerichtet. Die Gefahr für uns besteht immer darin, Riten zu feiern, aber nicht in dieses Geheimnis einzutreten, nicht in diese Liebe einzutreten, immer an der Oberfläche zu bleiben, uns manchmal berühren zu lassen, aber sie nicht ganz anzunehmen. Wir lassen uns nicht von dieser Liebe besitzen.
Seht hingegen, dass Jesus und auch die Allerheiligste Jungfrau Maria diese Liebe mit uns teilen möchten. Das ist ihr größter Wunsch. Sie möchten eins mit uns sein. Jesus bat Gott Vater beim Letzten Abendmahl darum: «Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, sollen auch sie in uns sein.»5 Es ist ein Gebet, das Er beim letzten Abendmahl sprach, als Er die Eucharistie einsetzte. Diese Liebe steht also für uns bereit, sie kann kein Geheimnis bleiben.
Ich glaube, dieses Geheimnisses zu durchdringen, erklärt auch das Wort „Liebe“, das auf der Erde viele Bedeutungen angenommen hat. Das ist die Liebe eines Gottes, der Mensch wird, um uns zurückzuholen, eines Gottes, der im Brot bleibt, um uns zurückzuholen, eines Gottes, der in uns eintritt, um uns zurückzuholen; das ist die Liebe. Aber uns zurückholen wofür?
Ich glaube, um den Dingen, dem Leben, den richtigen Sinn zu geben und um diese Liebe zu verstehen, muss man einige Schritte tun. Der erste ist, Gott Zeit zu schenken. Und wenn ich sage „Gott Zeit schenken“, dann meine ich nicht, beten zu gehen, weil man etwas braucht, sondern Ihm Zeit zu schenken, um uns diese Liebe zu erklären, eine Zeit, in der wir in der Stille sind und uns nur wünschen, Ihn kennenzulernen. Nicht, weil wir etwas für uns selbst möchten, sondern weil wir Ihm die Möglichkeit geben möchten, sich zu offenbaren, denn das ist es, was Er will, aber wir geben Ihm nicht die Möglichkeit.
Wenn Ihr so wollt, so hat das eine Grundvoraussetzung, die der Psalm, den ich jetzt vorlese, sehr gut erklärt. «Gott, du mein Gott, in der Morgendämmerung suche ich dich. Meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib, wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.»6 Wenn dies in jedem von uns vorhanden ist, offenbart sich Gott; wenn dies vorhanden ist und wir Ihm Zeit schenken, erklärt uns Gott alles, alles. Er verbirgt nichts von sich, Er offenbart sich. Er erklärt uns nicht irgendeine Situation, sondern Er erklärt sich selbst, aber ich sage euch: Wenn wir eine Begegnung mit Gott haben, in der Er sich selbst erklärt, verändert sich unser Leben.
«Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, denn deine Huld ist besser als das Leben.»7 Prüfen wir, ob das auf uns zutrifft und schenken wir Gott Zeit. Ich garantiere euch: Wenn das auf uns zutrifft, offenbart Er sich. «Ich will dich rühmen mein Leben lang, in deinem Namen die Hände erheben. Wie bei einem Festmahl wird satt meine Seele, mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen.»8 Aber wenn wir dieses wahre, aufrichtige, brennende Verlangen nicht haben und zum Herrn gehen, um zu beten, um Ihn sogar zehn Stunden jeden Tag anzubeten, ohne dieses Verlangen, sagt uns der Herr nur eines. Bevor Er sich uns offenbart, stellt Er uns eine Frage: „Wenn ihr antwortet, werde auch ich mich offenbaren.“ Und die Frage, die Er euch stellt, ist folgende: „Liebst du mich mehr als diese?9 Liebst du mich mehr als das Leben? Liebst du mich mehr als alles, was du gesehen, berührt, gekannt, getroffen hast?“ Wenn ihr diese Frage beantwortet, offenbart Er sich. Wenn ihr vage bleibt, wenn ihr anfängt zu überlegen – „wenn ich so antworte, ist es nicht gut, wenn ich so antworte… usw.“ –, dann wird auch Er euch keine Antwort geben, und eure Anbetung wird sicherlich immer schön und hilfreich sein, sie wird euch nicht schaden, also macht weiter damit, aber Er wird euch nicht seine Liebe erklären, woher sie kommt.
Der Wunsch, in das Geheimnis einzudringen, zwingt den Herrn, sich zu offenbaren, er zwingt Ihn. Wenn dieses Verlangen immer größer wird, berührt es in gewissem Sinne auch die Schwäche Gottes, und die Schwäche Gottes ist jene Liebe, die uns vielleicht sogar mehr gibt, als wir brauchen, weil Er uns lieben möchte. Er schenkt uns mehr Gnaden, als wir brauchen, Er erklärt uns mehr, als wir benötigen würden. Er schenkt es uns, Er wirft es uns fast nach und füllt uns aus, und wir fließen über und werden zu einer Quelle dieser Liebe. Und dort beginnt die Umwandlung, dort beginnt das wahre Leben.
Ich glaube, dass man angesichts all dessen, angesichts des Geheimnisses, angesichts dessen, was man nicht weiß, manchmal auch Angst bekommt, aber selbst bei der Angst wissen wir, dass sie nicht von Gott kommt, keinerlei Angst. Es gibt keine Angst, die von Gott kommt, keine, nicht eine. Es ist eines, wenn einem vielleicht die Beine zittern angesichts der Größe, vor der man steht. Es ist etwas anderes, Angst zu haben aufgrund dessen, was Er zu einem gesagt hat, Angst vor dem, was man tun muss, Angst davor, wie sich das eigene Leben verändern wird. Diese Ängste kommen nicht von Gott.
Abschließend möchte ich sagen: Wenn wir Gott Zeit schenken, wenn wir Ihm aufrichtig erlauben zu handeln, wenn wir aufrichtig sind, wie ich im Psalm gelesen habe, und Ihn in dieser Aufrichtigkeit kennenlernen möchten, wird Er sich nicht nur offenbaren, ich sage, Er wird es schnell tun, Er wird es sofort tun. Bei Gott gibt es kein Warten, Er wird es sofort tun, und Er wird dabei, wie ich schon sagte, großzügig sein. Und das wird uns Frieden und volle Freude schenken, so wie Er versprochen hat: «Meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch10. Wenn meine Freude in euch ist, wird eure Freude vollkommen sein11.» Und dass Er dies will, ist, ich wiederhole es, sein Gebet an Gott Vater: «Ich will, dass alle dort bei mir sind, wo ich bin, dass wir alle eins sind, ich in dir, du in mir und ich in ihnen.»12 Das ist ein Gebet von Jesus, also kann es nur erhört werden. Was ich gesagt habe, ist keine Theorie, es ist ein Gebet Jesu. Würden die Gebete Jesu nicht erhört werden, stünde es schlecht um uns, aber sie werden erhört.
Deshalb bitte ich euch, in dieser Woche, bereits ab morgen, feiern wir keine Feste, feiern wir keine Andachten – mit der Fronleichnamsprozession durch den Ort zu ziehen, schön, mit der Blaskapelle –, sondern versuchen wir, in diese Liebe einzutreten, sie zu betrachten und kennenzulernen.
Und Maria, die genau das getan hat, Ihr ganzes Leben lang und es auch in der Ewigkeit tut, möge uns helfen, so wie Sie zu leben, als wahre Kontemplative, als wahre Christen, als wahre Kinder Gottes, denn nur wenn wir so leben, werden wir erfahren, was die Auferstehung ist, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
1 Vgl. Phil 2, 6-8
2 Vgl. Mt 10, 37
3 Vgl. Mt 18, 9
4 Vgl. Mt 10, 39
5 Vgl. Joh 17, 20-23
6 Vgl. Ps 63, 1-2
7 Vgl. Ps 63, 3-4
8 Vgl. Ps 63, 5-6
9 Vgl. Joh 21, 15
10 Vgl. Joh 14, 27
11 Vgl. Joh 15, 11
12 Vgl. Joh 17, 20-23
