Auf-Sich-Hören

  1. Jänner 2016

Auf-Sich-Hören. Es ist wichtig, von klein auf dazu erzogen zu werden, unter Berücksichtigung der Einzigartigkeit eines jeden auf den Körper, die Seele und den Geist zu hören, das heißt mit dem Bewusstsein, dass die Charakteristika des Körpers, der Seele und des Geistes bei jedem Menschen unterschiedlich sind und demnach auch die Bedürfnisse.

Auf den Körper hören. Der Körper empfindet Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Schlaf, Müdigkeit, Gefühle, usw. und nimmt sowohl die Reize wahr, die von der Seele als auch von der Außenwelt kommen. Zu lernen, auf all das zu hören mit dem Bewusstsein, dass jeder einzigartig ist, erlaubt viel ausgeglichener zu leben, dem Auftreten einiger Krankheiten vorzubeugen und lehrt uns, uns für den Zustand unserer Gesundheit verantwortlich zu fühlen. All das muss ohne Übertreibung erfolgen, um zu verhindern, sich auf sich selbst zu konzentrieren oder dem körperlichen Wohlbefinden zu viel Bedeutung beizumessen.

Auf die Seele hören. Jede Seele ist einzigartig und als solche muss sie respektiert werden. Wie in der Einleitung erwähnt wurde, kommunizieren der Körper und der Geist mit der Seele und umgekehrt. Auch die Reize von außen gelangen durch die Sinne des Körpers zur Seele und rufen Schmerz oder Freude hervor. Daher ist es auch für die Seele, wie für den Körper, wichtig zu verstehen, was ihr gut tut und was ihr schadet.

Auf den Geist hören. Im Geist begegnet man dem Dreifaltigen Gott und hier wirkt der Heilige Geist. Jeden Tag ist es durch das Eintreten in die Stille möglich, auf das zu hören, was der Heilige Geist mitteilt und in eine tiefe Beziehung mit Gott einzutreten. Es ist wichtig, dass das persönliche Gebet die Einzigartigkeit eines jeden Geistes berücksichtigt, sowie die Bedürfnissen, die an den persönlichen Fortschritt im Glauben gebunden sind und nicht durch starre Schemen behindert wird. So wird ein Mensch das Bedürfnis haben, täglich mehrere Rosenkränze zu beten, ein anderer das Stundengebet, ein dritter, Gott in der Stille und ein vierter Gott bei einem Spaziergang in der Natur zu begegnen.

Sehen wir uns jetzt einige Lebensabschnitte an, in denen es besonders wichtig ist, auf sich zu hören.

Auf-Sich-Hören in der Kindheit. Kinder sind viel freier und offener als Erwachsene und wenn sie im Vertrauen auf Gott und auf sich selbst erzogen werden, begleitet, aber nicht erdrückt, dann sind sie fähig zu verstehen, was sie brauchen, fähig, ungefährliche von gefährlichen Situationen zu unterscheiden, fähig zu begreifen, welcher Alltagsrhythmus ihrem Körper und ihrem Geist entspricht und fähig, das zu tun, was ihrer Einzigartigkeit entspricht. Anstatt eine Haltung respektvollen Zuhörens einzunehmen, drängen Erziehende häufig die eigenen Verhaltensweisen auf, vermitteln ihre Ängste, ihre Unsicherheiten und hindern die Kinder daran das auszudrücken, was sie empfinden.

Auf-Sich-Hören in der Jugend. Die Jugendlichen werden von Hormonen und Modeerscheinungen bombardiert. Es ist äußerst wichtig, sie dabei zu begleiten, ihre Einzigartigkeit zu erkennen, die Veränderungen ihres Körpers und deren Sinn zu verstehen, wahrzunehmen, dass ihre Seele sich ständig weiterentwickelt und dass sich der Heilige Geist auch in dieser so delikaten und schwierigen Zeit ihrem Geist mitteilt, sie auf das Gute und auf den Weg ausrichtet, den Gott für sie vorgesehen hat.

Auf-Sich-Hören im Alter. Im Alter verändert sich der Körper und wird diese Entwicklung als Geschenk Gottes angenommen, so gelingt es zu verstehen, dass auch dieser Lebensabschnitt schön und friedvoll sein kann, wenn er auf die richtige Weise gelebt wird. Die richtige Haltung ist jene, auf einfache Weise die Grenzen anzunehmen, die das Alter vorgibt, die Rhythmen und Aktivitäten den laufenden Veränderungen anzupassen und bereit zu sein, sich für neue Erfahrungen zu öffnen. In älteren Menschen treten oft viele Ängste auf wie zum Beispiel vor Krankheiten, davor, den Situationen nicht mehr gewachsen zu sein oder eine Last für die Angehörigen zu sein; unserer Erfahrung nach ist es aber die Angst vor dem Tod, aus der andere hervorgehen und die am gegenwärtigsten ist. Diese Angst ist eine Last, die zu tragen ist. Es ist daher wichtig, einem älteren Menschen dabei zu helfen, auf sich selbst zu hören, damit er dieser Angst einen Namen geben, sie mitteilen und vor allem Gott übergeben kann.

Auf-Sich-Hören in der Schwangerschaft. Zu oft wird die Schwangerschaft wie eine Krankheit erlebt: unzählige Untersuchungen und Arztbesuche, Medikamente und Ängste begleiten schwangere Frauen und haben das Hören auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind ersetzt. Auch in der Schwangerschaft kann die Frau die Signale des Wohl- oder Unwohlseins verstehen, die entweder der Körper und/oder die Seele bzw. das Kind aussenden. Es wäre wichtig, ihr vor einem medizinischen oder medikamentösen Eingriff dabei zu helfen, diese Signale zu verstehen.

Ein Beispiel: Bei einer Frau, die im sechsten Monat schwanger ist, treten Wehen auf. In dem natürlichen Ablauf einer Schwangerschaft dürfte das nicht auftreten, daher können wir das als Botschaft des Körpers auffassen, die sein Unwohlsein aufzeigt, wie zB verstärkte Müdigkeit, Schwierigkeiten des Paares oder der Beziehung mit dem Kind. Ein auf Medikamente beschränkter Eingriff wird es der Frau nicht ermöglichen, das Problem zu verstehen, das wahrscheinlich erneut aber auf andere Weise und mit anderen Symptomen auftreten wird.

Auch im Alltag ist es wichtig, auf sich zu hören.

Jeden Tag, in jedem Augenblick ist es möglich zu verstehen, ob das, was man lebt, der Einzigartigkeit des eigenen Körpers, der eigenen Seele und des eigenen Geistes entspricht und ob man ein gesundes Leben lebt. Sehen wir uns einige Situationen an.

Die Müdigkeit. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ausruhen als Schwäche angesehen wird und Krankheit nicht gestattet ist, während es angebracht ist, auf die Müdigkeit zu hören, die der Körper kommuniziert und sich im Rahmen des Möglichen auszuruhen. Müdigkeit über einen längeren Zeitraum zu ignorieren, schwächt den Körper und erleichtert das Auftreten von Krankheiten. Es ist eine weitverbreitete Erfahrung, zB nach einer Periode von Stress die Grippe zu bekommen, zu der noch Komplikationen hinzukommen können, wenn nicht ausreichend Zeit dafür genommen wird, sich auszukurieren.

Der Schlaf. Jeder von uns hat einen eigenen Rhythmus des Wachens und Schlafens, der nach Möglichkeit ohne Zwang eingehalten werden soll. Trotz des Bewusstseins, dass die Nachtstunden dem Ausruhen dienen sollten und dass es notwendig ist, jeden Tag zu schlafen, können wir bestätigen, dass weder alle die gleiche Menge von Schlaf benötigen noch zur selben Zeit. Häufig entwickeln jene Menschen Schlafstörungen, die auf beharrliche Weise die Bedürfnisse des Körpers missachten.

Die Ernährung. Auf diesem Gebiet gibt es viel Verwirrung und es ist leicht, sich von den aktuellen Modeerscheinungen leiten zu lassen, die einander häufig widersprechen. Eine gesunde Diät muss ausgeglichen sein und von allem ein bisschen enthalten ohne Übertreibungen. Auch im Fall der Ernährung ist es wichtig auf sich zu hören. Wer von Kindheit an daran gewöhnt ist, versteht, welche Ernährung sein Körper benötigt und wieviel, denn auch die Ernährung muss die Charakteristika des Einzelnen, die Tätigkeit, die er ausübt und die unterschiedlichen Lebensphasen berücksichtigen. Sich einer Ernährung zu unterwerfen, die die Besonderheiten des eigenen Körpers nicht berücksichtigt oder strenge Diäten zu befolgen, schwächt den Körper und trägt zum Auftreten von Krankheiten bei. Häufig wird dieser Fehler auch begangen, um religiöse Praktiken auszuüben, aber ein in Gott gesunder Mensch versteht, welcher Verzicht möglich ist, ohne die Gesundheit zu beeinträchtigen.

Das Leiden. Es ist fast zur Gewohnheit geworden Medikamente einzunehmen, wenn eine schmerzvolle Situation erlebt wurde und häufig ohne dass demjenigen, der leidet, wirklich zugehört wurde. In diesem Fall wird das Medikament der Person das Gefühl geben, dass es ihr besser geht, aber es erlaubt ihr nicht, das Leiden anzunehmen und aufzuarbeiten. Geschieht das nicht und wird die Prüfung nicht Gott übergeben, wird das Leiden nicht aus der Seele gelöscht werden können und könnte sich auf andere Weise zeigen, möglicherweise durch eine Krankheit. Wir müssen uns hingegen dessen bewusst sein und daran glauben, dass jede Prüfung, die dem Herrn übergeben wird, dem Heiligen Geist die Möglichkeit gibt, die Seele mit seiner Liebe zu berühren und zu heilen: auf diese Weise wird derjenige, der eine schmerzvolle Situation erlebt, einerseits nicht davon erdrückt werden und kann andererseits in ein neues Geschöpf umgewandelt werden.

Die Gefühle. Im Laufe des Tages werden viele Situationen erlebt, die Gefühle hervorrufen. Je nach Typ werden sie vom Körper auf verschiedene Weise wahrgenommen und an die Seele weitergegeben. Auf ein Gefühl zu hören und ihm einen Namen zu geben, erlaubt dem Menschen, sich auf harmonische und authentische Weise zu entwickeln. In einigen Patienten, die nicht akzeptierten, negative Gefühle zu haben, haben wir bemerkt, dass sie Angststörungen entwickelt hatten. Andere hingegen verwechselten Heiligkeit mit der Überbewertung angenehmer Situationen und des Wohlbefindens. Indem wir die Gefühle annehmen, sie vor Gott hinbringen, versuchen, Ihm gegenüber untadelig und unversehrt zu sein, uns als beschränkte Geschöpfe annehmen und dem Wirken des Heiligen Geiste gegenüber offen sind, erlauben wir es Gott, uns umzuwandeln.

Auch die äußeren Reize haben eine Wirkung auf den Körper und die Seele, weshalb es wichtig ist, zwischen den bekömmlichen und schädlichen zu unterscheiden, aufmerksam und in die Tiefe gehend auf sich zu hören und nicht den momentanen Modeerscheinungen zu folgen. Insbesondere das Licht, die Wärme und die Klang-Schwingung sind sehr wichtig für den Einzelnen.

Das natürliche Licht ist für unseren Körper von grundlegender Bedeutung und auch für unsere Seele wichtig, denn es ist die Ausstrahlung des Lichtes Gottes. Wir glauben daher, dass es sehr unnatürlich ist, sich an Orten aufzuhalten, die nur von künstlichem Licht beleuchtet werden, möglicherweise in Verbindung mit ohrenbetäubender Musik. Zum Beispiel ist es eine gängige Erfahrung, sich müde oder gereizt zu fühlen, nachdem Zeit in einem Einkaufzentrum verbracht wurde, während man nach einem Spaziergang in der Natur von Frieden und Wohlbefinden erfüllt ist.

Die Wärme, die die Sonne ausstrahlt, ist für unseren Körper sehr wichtig, aber es ist wichtig zu wissen, dass es auch eine Wärme gibt, die aus unserer Seele kommt, aufgrund der Gegenwart des Heiligen Geistes in uns. Die Wärme, die uns von außen erreicht und die Wärme unserer Seele können miteinander in Einklang gelangen und unsere Körpertemperatur stabiler machen.

Der Klang trifft auf den Körper, aber auch auf die Seele und wirkt auf beide. Der Klang, der für den Menschen notwendig ist, ist das Wort Gottes, aber es gibt auch andere Klänge, die Nahrung darstellen können, wie religiöse Musik oder Vogelgesang. Im Gegenteil dazu ist es gefährlich, sich negativen Klängen, wie zum Beispiel Rockmusik, auszusetzen, da sie Spannungen im Körper hervorrufen und vor allem das Gedächtnis der Seele dem Abbild Gottes gegenüber verschließen.

Wir werden die Krankheit in Kürze umfassender betrachten, halten es aber in dieser Folge über das Auf-Sich-Hören von Vorteil, kurz darauf einzugehen.

Fast immer zeigt unser Körper durch eine Krankheit ein körperliches oder geistiges Unwohlsein auf: einen Lebensstil, der zum Exzess betrieben wird oder nicht der Einzigartigkeit unserer Person entspricht, einen nicht gelösten Konflikt oder ein in tiefer Einsamkeit und/oder nicht Gott dargebrachtes, erlebtes Leiden, die auf der Seele Verletzungen hinterlassen.

Ein Beispiel: Ein Mann verliert seine Arbeit, was in ihm Leiden und Demütigung hervorruft, die er möglichweise einsam erlebt und nicht vollkommen Gott übergibt. Dieses Leiden wird sich in seiner Seele einprägen und könnte sich, wenn es nicht vom Heiligen Geist geheilt wird, durch den Körper in Form einer Krankheit zeigen.

Manchmal kann ein Unwohlsein, das mit keiner augenscheinlichen Ursache in Verbindung gebracht werden kann, dadurch hervorgerufen werden, dass genetische, spirituelle Merkmale weitergegeben wurden, die mit den spirituellen Wurzeln der eigenen Vorfahren verbunden sind. In diesem Fall schlägt der Arzt dem Patienten vor, für die eigenen Wurzeln zu beten und begleitet ihn gemeinsam mit dem Priester.

von Stefania Caterina und Tomislav Vlašić