Gedanken „Die Weihe an die Allerheiligste Dreifaltigkeit“

von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. Januar 2022

Liebe Schwestern und Brüder, das letzte Mal, als wir miteinander gesprochen haben, haben wir euch alle eingeladen, euch der zwischenzeitlichen Gegenwart Jesu unter uns bewusst zu werden[1]. Mit der heutigen Weihe an die Allerheiligste Dreifaltigkeit spornt uns die Gnade an zu verstehen, was die Weihe an die Allerheiligste Dreifaltigkeit bedeutet. Wisst, dass die Allerheiligste Dreifaltigkeit ein Ehrfurcht einflößendes Geheimnis ist. Der Allmächtige Gott teilt sich dem Menschen mit alle seiner Liebe mit und der Mensch wird vor die Wahl gestellt: zu leben oder zu sterben[2], da die Allerheiligste Dreifaltigkeit in der Theologie auf besondere Weise als Ursprung des Lebens präsentiert wird, als Höhepunkt, Vollendung und gleichzeitig als Ursprung und Höhepunkt der göttlichen Liturgie. Zu Beginn unserer Gedanken benötigen wir also das Bewusstsein, dass, wenn wir nicht für das Wirken der Allerheiligsten Dreifaltigkeit offen sind, kann keine Liturgie im Namen Jesu Christi als Formel, keine sakramentale Feier funktionieren oder nur eingeschränkt funktionieren.

Wie ihr wisst, ist insbesondere seit dem Jahr 2013 das Universum in das dreifaltige Wirken miteinbezogen. Seit letztem Jahr auf besondere Weise auch die Erde. Dieses Ehrfurcht einflößende Ereignis hält uns also das Leben oder den Tod vor Augen.

Was ist die Allerheiligste Dreifaltigkeit? Sie ist ein Geheimnis, aber ein Geheimnis, das sich offenbart und uns gesagt hat, dass sie die reine Liebe ist[3]. Die Drei Göttlichen Personen leben füreinander und keine geht von sich selbst aus, sondern von der Gemeinschaft, die sich aus dieser Hingabe ergibt und hierin liegt die Fülle des Dreieinigen Gottes. Das Wesen Gottes ist vollkommene Liebe, Er genügt sich selbst, aber nachdem Er eine Liebe ist, die sich hingibt, verschenkt Er sich in allem, was Er erschaffen hat und teilt der ganzen Schöpfung das Leben mit entsprechend der Ordnung unter den Geschöpfen.

Wir halten uns aber nicht länger damit auf, die ganze Tragweite dessen zu verstehen, was die Allerheiligste Dreifaltigkeit in sich ist, denn Gott ist unendlich und wir Geschöpfe. Versuchen wir zu verstehen, was sich auf uns bezieht, was der Dreieinige Gott für jeden von uns ist. Im Wesentlichen teilt sich Gott jedem Geschöpf mit und kommuniziert Liebe und Leben. Es gibt zwei Richtungen, eine absteigende und eine aufsteigende, die uns dabei helfen, besser zu verstehen, wie Gott in uns wirkt und wie wir Ihn annehmen können. Die absteigende Richtung bedeutet, dass der Vater alles dem Sohn mitteilt. Der Sohn, der völlig dem Vater unterworfen ist, tut alles, was der Vater möchte, und der Sohn schenkt im Namen des Vaters den Heiligen Geist. Das ist ein Prozess, der im Menschen geschieht, damit der Mensch die Liebe Gottes annehmen, sie leben und sie anderen mitteilen kann.

In der Botschaft „Die Barmherzigkeit ist Wahrheit“ vom 10. April letzten Jahres[4], sagt Jesus: Meine Kinder, ich bin unter euch gegenwärtig. Mein ZWISCHENZEITLICHES KOMMEN auf die Erde ist das Geschenk des Vaters in dieser Zeit für die Menschheit des ganzen Universums und nicht nur für eure.“ Der Vater hat Jesus erneut unter uns gesandt, um den Weg zur Definition der Menschheit zu öffnen. „Ich bin hier in der Macht des Heiligen Geistes, um euch zu befreien und zu stärken und euch das Antlitz des Vaters zu zeigen, damit auch ihr es den anderen zeigen könnt.“

Wir haben also verstanden, dass alles vom Vater ausgeht, durch den Sohn im Heiligen Geist, aber auch durch den Sohn im Heiligen Geist zum Vater zurückkehrt. Wir können sagen, dass in dieser Dynamik das wesentliche Element die Gegenwart der Person Jesu Christi ist, des Sohnes Gottes, der den Vater vollkommen offenbart[5]. Er hat unsere Natur auf sich genommen, ist in sie eingetreten, hat alles mit uns geteilt. Er hat unsere Begrenztheit auf sich genommen, unsere Sünden und lässt uns die Erlösung im eucharistischen Sakrament zuteilwerden. Wer Ihn annimmt und in dem Ausmaß, in dem er Ihn annimmt, kann er den Heiligen Geist anderen mitteilen. Wer Jesus Christus nicht völlig annimmt, erhält den Heiligen Geist nicht in vollem Umfang und kann auch den Vater nicht erkennen.

Daher ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott, der sich auf sichtbare, spürbare Weise unter uns offenbart hat, Der, den wir im Heiligen Geist annehmen müssen. Wenn wir Ihn nicht im Heiligen Geist annehmen, können wir zu fanatischen Christen werden und eine christliche Denkweise haben, die bruchstückhaft ist. Das ist im Laufe der Geschichte geschehen. Es gab Kriege jeder Art unter den Christen. Wenn ihr heute die christlichen Ehen betrachtet, wie sie laufen, wie es den Christen geht, die jeden Tag die Kommunion empfangen, dann ist es nicht nötig, viel zu analysieren. Das ist die Wahrheit, vor der wir uns verbeugen und um Barmherzigkeit bitten müssen.

In derselben Botschaft hat uns Jesus geholfen zu verstehen, wie wir dieses Geheimnis annehmen können. Es ist eine perfekte, einfache Regel, aber auch furchterregend. Hören wir zu, was Jesus sagt: Wisst, dass die Barmherzigkeit Wahrheit ist, denn ICH BIN DIE WAHRHEIT. Die Wahrheit stellt alles klar und erforscht eure Tiefen.“[6] Beachtet: „Die Wahrheit erforscht unsere Tiefen.“ Wenn wir nicht zulassen, dass die Barmherzigkeit unsere Tiefen erforscht, dann befindet sich in uns eine verwesende Leiche, in der sich all unsere Krankhaftigkeiten eingenistet haben. Keine Psychotherapie, kein Medikament können sie entfernen.

Ich fahre fort: Sie lässt in euch eure Grenzen und Sünden hervorkommen und zeigt euch das wahre Leben, denn ICH BIN DAS LEBEN. Wenn ihr meine Wahrheit akzeptiert und euch für mein Leben entscheidet, indem ihr euch durch die Miterlöserin mit meinem Opfer vereint, beginnt in euch meine Barmherzigkeit zu wirken, die euch verzeiht und euch einen neuen Weg zeigt, der zu gehen ist, denn ICH BIN DER WEG.“ Es ist nicht möglich, es besser als so zu erklären. Wir müssen offen für die Wahrheit sein, wir müssen die Wahrheit annehmen, die uns erleuchtet und uns den Weg öffnet. Wer sich ihr öffnet, kann das Leben annehmen und für den, der die Wahrheit und das Leben, also Jesus, akzeptiert, öffnet sich durch die Miterlöserin der Weg, der zu gehen ist: „ICH BIN DER WEG.“

In dieser Botschaft, in diesem kleinen Auszug, ist der ganze Weg enthalten. Es ist ein geheimnisvoller Weg, den wir nur dann bewältigen können, wenn wir uns für den Heiligen Geist öffnen und Jesus annehmen, der rettet. Aber ich möchte das Augenmerk auf das lenken, was Jesus gesagt hat, und zwar dass Er die Tiefen erforscht. Er erforscht sie mit seiner ganzen Liebe, aber wenn Ihn der in sich verschlossene Mensch aufgrund der Erbsünde und der Boshaftigkeit zurückweist, kann Gott nichts mehr tun, weil Er die Liebe ist und unsere Freiheit respektiert.

Wenn sich die Christen für diese Dimension öffnen, treten sie in das kosmische Pfingsten ein. Das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Erde war mit dem ersten Pfingstfest nicht zu Ende, es war ein großer Beginn. Es wird mit der glorreichen Wiederkehr Jesu zu Ende gehen, wenn durch die Liebe Gottes in allen, die sich für dieses Geheimnis öffnen, alles zur Vollendung gebracht wird; mit allen Begrenztheiten, die der Mensch hat. Aber wir müssen die Gewissheit haben, dass seine Liebe unsere Ängste und unsere Schuldgefühle zum Schweigen bringt, sodass uns keinerlei Kritik in den Sinn kommt.

Erzbischofs Zuppi[7] hat in seiner Predigt eine Eigenschaft von David Sassoli[8] hervorgehoben, und zwar dass er die Barriere zwischen moralischen und amoralischen Menschen zum Einsturz gebracht hat. Wer hat diese Barriere zum Einsturz gebracht? Jesus Christus, und zwar zwischen den Gerechten und den Ungerechten. Er ging auf jeden Menschen guten Willens zu. Jesus öffnet diese Dimension in uns, um all das zum Einsturz zu bringen, was in uns gespalten ist, was uns spaltet und was uns zu Gefangenen der Schützengräben macht, in denen die Angst und der Krieg herrschen.

Das neue Jahr hat also begonnen; insbesondere jene, die in diesen Jahren diesen Weg gegangen und an diesem Punkt angelangt sind, können verstehen, dass alle Unterweisungen dieser Jahre zu diesem Geheimnis führen. Denkt also immer daran, dass Gott die Wahrheit ist und dass Er euch in eurem Innersten, in eurem Geist – nicht in eurer Rationalität, in euren Emotionen – die ganze Wahrheit darüber erklärt, wer ihr seid, was eure Aufgabe und euer Ziel ist. Wenn ihr offen seid, bietet Er euch das Leben an. Damit ihr das Leben erreichen könnt, müsst ihr einen Weg gehen, einen Weg, der nicht oberflächlich ist, sondern ein Weg im Geist. Jesus ist also im Geist gegenwärtig und ihr müsst an seinem Wirken im Geist und in der Wahrheit teilnehmen.

Das ist also mit wenigen Worten die Dynamik der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in uns und alle Erklärungen führen uns dort hin. Es gibt noch eine weitere, aufsteigende Richtung in dieser Dynamik vonseiten der Geschöpfe, um zum dreifaltigen Geheimnis zu gelangen. Nach der Erbsünde warteten alle ab: die Gerechten und die Ungerechten, auch der Heilige Michael, alle Erzengel und Engel; alle treuen Schwestern und Brüder, und wie wir aus der Bibel wissen, warteten auch die Gerechten aller Generationen und alle Propheten. Schließlich schenkte Gott seine Gnade: die Unbefleckte Mutter, die zum Zeitpunkt der Empfängnis das dreifaltige Geheimnis angenommen hatte. Wir sind daran gewöhnt zu glauben, dass die Muttergottes die Gnade der Unbeflecktheit erhalten hat und damit basta. Nein! Sie hat die Gnade der Unbeflecktheit erhalten, um Mutter, Braut des Heiligen Geistes und Miterlöserin zu sein; um vollkommen am Leben Gottes teilzunehmen und den Weg Christi zu gehen, in all seinen Phasen.

Wir müssen uns also alle aufgrund unserer Schwäche durch die Mutter Jesus nähern. So wie Sie Jesus hervorgebracht hat, so bringt Sie uns für Ihn hervor, im Heiligen Geist. Einen anderen Weg gibt es nicht. Hier streben alle Gerechten aller Zeiten und jedes Punktes des Universums hin. Das ist die Bedeutung der universalen Gemeinschaft, das ist die prophetische Bedeutung für „alle Reichtümer fließen den Gerechten zu“. Das ist die Bedeutung der Kirch Jesu Christi des Universums.[9]

Wenn ihr diese Dynamik des Dreifaltigen Wirkens betrachtet, das sich durch Maria und die Gerechten, die warteten und daran teilnahmen, für all jene verwirklicht, die in dieses Geheimnis eintreten möchten, dann wird folgendes Bild deutlich: die Allerheiligste Dreifaltigkeit, Maria und die Kirche, die durch Maria hervorgebracht wird. Alle Menschen treten durch den Heiligen Geist in Christus ein. Das ist die Wahrheit. Wer sich von dieser Wahrheit entfernt, wird zum Häretiker. Wer diese Wahrheit nicht lebt, kann nicht in die Allerheiligste Dreifaltigkeit eintreten. Die Kirche kann keine menschliche Struktur sein. Sie kann nicht aus Genies bestehen, die geschichtliche oder archäologische Prozesse erklären, die philosophische Ideen oder soziale Interpretationen darlegen. Alles, was wir auf der Erde verstehen können ist letztlich, uns für diese Wahrheit, für das Leben zu öffnen. Das ist der Weg Christi und die Allerheiligste Jungfrau Maria hilft uns dabei.

In diesen Gedanken möchte ich also hervorheben, dass alles, was euch bis jetzt erklärt wurde, dazu beiträgt, euch in dieses Geheimnis zu bringen, damit ihr es annehmen könnt und es in euch die ganze Schönheit des Lebens zum Vorschein bringen kann. Und wie es die Worte Jesu vom 10. April des vergangenen Jahres[10] sagen, ist all das nicht nur für euch, sondern für alle im Universum. Die Liebe, die Gott jedem von uns mitteilt, muss also an die anderen weitergegeben werden. Das ist der Sinn des Plans, den Jesus in der Botschaft „Die Zukunft meines Volks“[11] verkündet hat und den ihr sicher des Öfteren gelesen habt. Seine Kirche wird die dort genannten Eigenschaften haben oder nicht seine Kirche sein. Sie wird in eine direkte, unmittelbare Beziehung mit Gott eintreten, durch Maria am Werk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes teilnehmen und wir werden uns erheben. Es gibt keinen anderen Weg.

Wir, insbesondere jene, die zurückgezogen in den Heiligtümern, in den Zellen leben, müssen achtgeben, dieses Geheimnis selbst zu leben und weiterzugeben, keine Worte oder Ideen. Ich habe euch erklärt, dass der Gedanke Gottes keine Idee ist, sondern das Fließen des Lebens, das sich durch unser ganzes Wesen ausbreitet. Es muss also das Fließen des Lebens sein, das sich von jedem von uns auf alle ausbreitet, auf Gute und Schlechte.

Es ist also eine große Berufung, in diesem Jahr immer mehr in diese Beziehung mit Jesus einzutreten, der uns durch den Heiligen Geist in Bewegung setzt und uns dabei hilft, den Vater zu kennen, und der Vater kann für uns nicht nur ein Begriff bleiben. So wie das Kind auf natürliche und spontane Weise mit dem Vater, der Mutter verbunden ist, ohne in der Schule dieses Verhalten gelernt zu haben, sondern von Anfang an weiß, was es zu tun hat, so müssen wir zu dieser Natürlichkeit und Spontaneität zurückkehren und den Vater kennenlernen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei euch allen, die ihr für mich gebetet habt anlässlich meines achtzigsten Geburtstags. Das größte Geschenk wäre für mich, wenn ihr euch der Allerheiligsten Dreifaltigkeit weihen, jene Gnade annehmen würdet, um in das Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit einzutreten und dieses den anderen zu überbringen als Duft des Lebens, als wahres Evangelium, als Leben, das ständig Neues hervorbringt. Ich möchte noch einmal unterstreichen, was ich zu Beginn gesagt habe: das ist ein Ehrfurcht einflößendes Geheimnis und die Menschheit von heute steht vor der Wahl. Und Jesus, der unter uns gekommen ist, ist gekommen, um die Seinen zu nehmen, sie vorzubereiten und durch sie mit seinem glorreichen Offenbarwerden zu beginnen. Er wird nicht warten. Er wird nicht auf jene warten, die ihr Leben nicht verändern möchten.

Die wahre Kirche muss diese Wahrheit verstehen und sie leben und sich wie Jesus Christus im Heiligen Geist auf den Vater zubewegen. Dieses Verhalten in der Kirche kann das Schicksal der Menschheit verändern und ihr werdet Veränderungen sehen. Wenn sich die Menschheit nicht ändern möchte, bleibt sie im Tod.

Ich wünsche mir, dass ihr euch alle bemüht, diese Wahrheit anzunehmen, damit die Wahrheit euch vollständig erleuchten kann und ihr das Leben verstehen könnt, das vom Vater durch den Sohn in euch fließt; dass ihr das Leben annehmen und ihr euch in dieser Zeit zur Verherrlichung des Herrn Jesus Christus aufmachen könnt. Das wird geschehen und niemand wird Jesus aufhalten.

Und ich segne euch, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Vgl. Gedanken von Pater Tomislav vom 5. Januar 2022 „Das Bewusstsein der Gegenwart Christi“ veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[2] Vgl. Dtn 30, 15-16

[3] Vgl. Botschaft des Heiligen Franz von Assisi vom 17. September 2012 „Die reine Liebe Gottes“, veröffentlicht auf unserer Webseite

[4] Vgl. Botschaft Jesu vom 10. April 2021 veröffentlicht auf unserer Webseite

[5] Zur Vertiefung dieser Dynamik verweisen wir auf das Kapitel „Der dreifaltige Wirbel und sein Wirken“ im Buch „Über die Große Barriere hinaus“, S. 21-23

[6] Siehe Fußnote 4

[7] Erzbischof von Bologna anlässlich des Begräbnisses von David Sassoli, der am 11. Januar 2022 gestorben ist.

[8] Präsident des Europaparlaments, der am 11. Januar 2022 gestorben ist.

[9] Vgl. Botschaft des Heiligen Geistes vom 22. Mai 2021 „Ein Leib, ein Geist“, veröffentlicht auf unserer Webseite

[10] Siehe Fußnote 4

[11] Botschaft Jesu vom 8. September 2011 „Die Zukunft meines Volkes“, die am 7. Oktober 2011 auf unserer Webseite veröffentlicht wurde