Frohe Weihnachten

von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

24.Dezember 2021

Liebe Schwestern und Brüder, wir machen uns auf, Weihnachten zu feiern und all jene Feste, die durch die Weihen[1], die uns erwarten und die wir auf feierliche Weise erneuern werden, für uns einen relativ langen Zyklus beschließen und mit der Darstellung des Herrn im Tempel einen Abschluss finden. Die Darstellung des Herrn im Tempel kennzeichnet für uns immer eine Haltung, die wir gegenüber dem Herrn einnehmen müssen, eine umfassende Haltung auch während der Weihnachtsfeste.

Was feiern wir heute? Die Geburt des Herrn. Und was verstehen wir darunter? Der Großteil der Menschen versteht darunter ein Datum: Am 25. Dezember 2021 wird der Retter in einem Stall geboren, zwischen einem Esel und einem Ochsen, usw. Das, worauf die Menschheit gewartet hat, ist an diesem Tag erschienen und an diesem Tag stehengeblieben; es ist ein statisches Bild, das heute mit dem Weihnachtsmann bereichert wurde, der sogar um Hilfe gebeten wird, um die Pandemie zu lösen und uns in die Normalität des Lebens zurückzubringen. Es ist also alles von einem Geheimnis umgeben, das die Menschheit eine Legende nennt. Warum bezeichnet sie das Geschehen als eine Legende? Weil die Menschheit Legenden braucht. Alle Legenden, auch jene über die Menschen des Universums, haben sich im Laufe der Zeit auf diese Weise gebildet: die Legende über Mose und auch die Legende über das, was in Betlehem geschehen ist.

Der Großteil der Menschheit, und nicht nur der Menschheit, sondern auch der Christen, hat Weihnachten in ein nostalgisches Bild eingeschlossen, das ein bisschen Hoffnung geschenkt hat, aber nicht wahr wurde. Es werden Riten wiederholt, dieselben Predigten, dieselben Begriffe verwendet, aber es ist statisch. Und was feiern wir? Wir feiern heute das Gedächtnis. Das, was vor mehr als zweitausend Jahren geschehen ist, ist heute lebendig unter uns. Mehr noch als damals. Wir feiern messianische Ereignisse. Was bedeutet ‚messianische Ereignisse‘? Es bedeutet, dass alles so offenbart wird, wie es in Gott ist, dass unser Leben auf eine Endgültigkeit zugeht, die entweder mit der Verdammnis oder mit der Erlösung, mit dem Eintreten in die neue Schöpfung endet; mit der völligen Verwirklichung des Einzelnen, von uns, des gesamten Volkes oder mit dem Verderben. Und diese Zeiten sind von einer so machtvollen Dynamik gekennzeichnet, da Jesus in seine Kirche, in sein Volk alle Verdienste aller Heiligen, aller Gerechten nach Adam bis jetzt hineinzieht. Es drückt sich eine Dynamik dieses Reichtums aus, zugunsten eines jeden von uns. Das, was im Gedanken des Vaters empfangen wurde, und zwar der Sohn Jesus Christus, durch den wir alle und alles erschaffen wurden, nimmt jetzt die ganze Geschichte in die Hand, die von Ihm erleuchtet wird, und führt alles auf endgültige Weise zur Vollendung.

Das ist die Dynamik dieser Zeiten, der niemand entkommt: wer sich Gott widersetzt, wer gleichgültig bleiben möchte oder wer weitergehen möchte, einen Schritt macht und dann stehenbleibt: niemand kann mehr stehenbleiben, weil die Dynamik sehr, sehr stark ist.

Für uns Christen, für uns, die wir der Kirche Jesu Christi des Universums angehören, für jene, die daran teilnehmen, ist es der Augenblick sich zu erheben. Wie uns gesagt wurde, war vor dem ersten Kommen Jesu Christi die Zeit der Erwartung. Nach Ihm, nach dem Herabkommen des Heiligen Geistes ist es die Zeit des Sich-Erhebens, aber ein Erheben, auf das wir nicht passiv warten können. Es ist ein Erheben, an dem wir teilnehmen müssen.

Ich verwende ein Bild, um das zu veranschaulichen: ein Jugendlicher, eine Jugendliche voller Leben. Es fehlt ihnen an Erfahrung, an Wissen der Älteren, aber alles vibriert. Und ein Mensch, der auf diese Weise vibriert und vom Geist Gottes und im Geist Gottes zu Jesus Christus, dem Hirten, dem König des Universums geführt wird, dieser Mensch vibriert und vereint sich mit der Schwingung des Sohnes Gottes, mit der Schwingung des Heiligen Geistes und beginnt zu handeln, wird aktiv und ist inspiriert wie die Hirten. Wie wir gehört haben, waren später auch die Apostel inspiriert. Sie predigten nicht deshalb, weil sie Wunder getan hatten, die Wunder geschahen aufgrund ihrer Gewissheit im Glauben, aufgrund ihrer Harmonie mit dem Hirten. Sie wurden aktiv und fürchteten den Tod nicht mehr, sie ließen alles zurück.

Dies sind Zeiten unserer Feiern. Der Heilige Paulus sagt im Brief an Titus: «Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.»[2] Wir haben alles erhalten. Wir haben die Gnaden erhalten und der Weg ist offen. Das, was Gott in dieser Zeit in uns tun möchte, ist, diese innerliche Dynamik zu erwecken, damit jeder von uns wie eine Knospe, wie eine Blüte erblühen möge, ihren Duft, ihre Schönheit und ihre Frucht erbringen und das offenbaren möge, was der Herr in uns getan hat.

In gewissem Sinn haben in diesem Jahr die Worte Jesu, der Muttergottes und der Propheten aufgehört, um dieser Dynamik in uns Raum zu geben. Die Dynamik unseres Geistes ist der einzige Weg, damit wir auferstehen, der einzige Weg, damit unser Sein in Christus neu wird und auf diese Endgültigkeit zugeht. Werden wir sie erreichen? Ja. Jesus ist in seinem ZWISCHENZEITLICHEN KOMMEN[3] gerade deshalb gekommen, um unter uns der Garant zu sein, durch den sich alles erfüllt, weil Er die Schwäche der Kirche der Erde, der Menschheit der Erde gesehen hat und daher allen helfen wird, die an diesem Weg teilnehmen.

In diesem Jahr beginnen die messianischen Zeiten[4]. Wenn jemand noch nicht begonnen hat sie zu leben, möge er sich damit beeilen, sonst wird er nichts verstehen und keine Klarheit haben. In der Folge kann er nicht umgewandelt werden, weil er nicht daran teilnimmt. Jene, die Jesus in seiner Zeit nicht nachfolgten, verstanden Ihn nicht und konnten sich nicht in Sein Leben einfügen. Saulus hätte dasselbe tun können, als ihm der Herr erschienen ist[5], er hätte Ihn zurückweisen können. Das erscheint euch merkwürdig? In den vielen Jahren als Priester habe ich viele Seelen gesehen, die von Gnaden, auch von machtvollen Gnaden umgeben und miteinbezogen waren und doch stehengeblieben sind.

Wir befinden uns also in einer machtvollen Dynamik, wie sie die Muttergottes bezeichnet hat[6]. Wir befinden uns im letzten Abschnitt der Endzeit der Vereinigung des ganzen Universums in Jesus Christus. Der Herr spricht nicht zu uns. Weshalb? Er spricht nicht zu uns, weil Er möchte, dass wir in die jungfräuliche Stille eintreten, dass sich unser Geist mit dem Heiligen Geist in uns bewegen und alles erforschen kann. Warum? Weil die Gefahr besteht, dass wir uns in Worte, Vorstellungen, Riten, aufgesagte Gebete verschließen, in dem, was wir auf menschliche Weise verstehen können und mit externen Formen verschönern und bemalen. Das verschwindet in diesen Zeiten, es nützt nichts mehr. So, als würde die Natur im Frühling in einem Stadium stehenbleiben: der Regen kommt, ein bisschen Sonne, alles geht auf und vertrocknet dann.

Der Herr führt die Menschheit jetzt zur Endgültigkeit. Dies sind die messianischen Zeiten: Alles wird in Ordnung gebracht, indem in jedem von uns alles in Ordnung gebracht wird, indem unser Geist mit Seinem Geist synchronisiert wird und dieser Prozess wandelt unsere Seele und unseren Körper um. In all dem erleben wir einen Gegensatz. Die Menschheit, wie ihr sie heute seht, ist mit vielen Dingen beschäftigt und hat keine Zeit für Gott, sie ist eingeschläfert. Viele sind bereits tot und hören nichts mehr. Der Herr nimmt jene, die sich erwecken lassen und führt sie weiter.

Dieser Tag und die Tage, die vor uns liegen, sind also Tage der machtvollen Gnade Gottes, der unser Gedächtnis erweckt. Das Gleiche gilt für alle Ereignisse seit dem Beginn der Menschheit, denn sie wurden uns im Hinblick auf die neue Schöpfung erzählt und gezeigt. Alles wird in uns belebt, um jeden von uns miteinzubeziehen und zum Leben zu führen. Und alles, was wir dazu beitragen müssen ist, mit dem Leben im Einklang zu sein, es zu hüten und zu offenbaren. Der Zeitpunkt ist da, es zu offenbaren. Es ist notwendig, aus uns selbst herauszugehen und das Leben den anderen mitzuteilen, aber nicht aufgrund eines Befehls, der von einer Hierarchie kommt, sondern als Folge der Dynamik in unserem Leben, damit die Menschen in uns die Hoffnung sehen können. Der Prophet sagt: «Der Friede hat kein Ende»[7], kein Ende, und auf dieser Erde herrscht Krieg ohne Ende. Seht euch die Nachrichten an. Es herrscht Krieg und nicht nur der Krieg, der mit Waffen geschlagen wird, sondern der Krieg der Geister. Und wir können den Menschen diesen Frieden, diese Hoffnung überbringen, die sie in uns sehen und sie ihnen weitergeben. Die Menschen guten Willens werden bereit sein sie anzunehmen, aber wir müssen sie weitergeben.

Wir können die Predigten analysieren, die in dieser Zeit gemacht werden. Sie sind alle flach und beziehen sich auf die Arbeit, auf das Leben auf der Erde, darauf, anderen zu essen zu geben, aber das Brot, das vom Himmel kommt, wird das weitergegeben? Man merkt fast gar nicht, dass jemand von Jesus spricht. Gestern wurde über Papst Johannes Paul I, Papst Luciani und Papst Johannes Paul II gesprochen, aber es wird vermieden, von Jesus zu sprechen. Es wird vom Dialog zwischen den Religionen gesprochen, von den politischen Schachzügen der Päpste. Diese Kirche muss Hoffnung schenken. Die Hoffnung ist Jesus Christus. Wir müssen denen, denen wir begegnen, Jesus Christus weitergeben. Unsere Gedanken geben Ihn weiter, unsere Wünsche, sie umfangen das Universum und der, der guten Willens ist, wird erwachen und einen Anhaltspunkt finden.

Denken wir über die Lesungen nach, indem wir sie noch einmal lesen: «Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. […] Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen.»[8] Von jeder Schuld, die es auf der Erde gibt und die alles zu beherrschen scheint. Der Herr ist gekommen, um uns zu befreien, aber wir müssen daran glauben. Vor allem darf niemand in sich selbst verschlossen bleiben, in den eigenen Vorstellungen und Ideen.

«Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht.»[9] Das Volk, das ein aufrichtiges Herz hat, ist dazu bestimmt, dieses Licht zu sehen. Wir dürfen uns nicht sorgen. Der Herr wird dieses Licht offenbaren, wie es sich bei den Hirten zugetragen hat. Er hat es der Allerheiligsten Jungfrau Maria offenbart, dem Heiligen Josef, Johannes dem Täufer, Zacharias, dem Heiligen Franz von Assisi und allen im Laufe der Geschichte. Jetzt wird Er es fortwährend durch seine Kirche offenbaren, die sich entschieden hat, dieses Geheimnis zu leben.

Im Zusammenhang mit Weihnachten wird von der Freude und vom Frieden gesprochen. Mit dem Herrn im Heiligen Geist zu leben bedeutet, die Freude, den Frieden, die Gelassenheit und die Gewissheit in sich zu vervielfachen. Das Wirken Jesu im Heiligen Geist bedeutet, unser Wesen umzuwandeln, es zum Blühen zu bringen, Früchte hervorzubringen. Den Wunsch dafür tragen wir in uns, aber wir können von uns aus nichts tun. Jesus Christus handelt, wenn wir Ihn annehmen, wie Maria es getan hat. Und auch Maria konnte Ihn nicht von sich aus empfangen, das Gleiche gilt für uns alle. Wenn wir dem Herrn angehören möchten, handelt Er und bringt alles mit einer Geschwindigkeit zur Vollendung, weil die Zeiten reif sind und das Böse aus der Menschheit entfernt und die Menschheit in ein neues Leben eingeführt werden muss.

Seht, das ist die Haltung für unsere Feier des Gedächtnisses. Dann werdet ihr spüren, dass alle diese Worte: «Freut euch, jubelt, lasst euch mit Frieden erfüllen, schenkt Freude»[10] in euch vibrieren und dass euch diese Schwingung in eine positive Dynamik einführt. Und alle Ereignisse unserer Vergangenheit oder der Vergangenheit der ganzen Menschheit, sowie der Zukunft bewegen sich in diese Richtung und mit Freuden, die keine Utopie sind, erwarten wird den neuen Himmel und die neue Erde. Ich denke, dass wir, die wir hier anwesend sind, das in diesem Jahr erlebt haben: eine Gewissheit in uns; sagen wir eine anfängliche Gewissheit, denn auch für den Heilige Franz von Assisi war das Ende seines Lebens der Anfang; eine Gewissheit also, die uns den Anstoß zur Endgültigkeit gibt.

Im nächsten Jahr erwarten uns weitere Gnaden und weitere Ereignisse, denen wir entgegentreten müssen. Mit dieser Haltung, die ich euch erklärt habe, treten wir immer mehr in diese tiefe, jungfräuliche Stille ein, eine Stille, die diese Welt nicht kennt, nicht kennen will, da sie vor sich selbst wegläuft. Aber der Herr wird uns in dieser Entwicklung weiterbringen. Wir werden Ereignisse sehen auf der Erde, auch dramatische, aber wir können sie wie von einem hohen Berg betrachten, aus der Ferne, losgelöst, denn die Ereignisse, die in uns geschehen, sind andere: in uns dominiert das Ereignis der Erlösung.

Nehmen wir also den König des Universums an, nehmen wir den Retter aller Menschen an und nehmen wir die Gnaden dieser Zeit an und leben sie. Betlehem stellt einen Schritt dar, aber jetzt geht der Schritt auf die eschatologischen Zeiten zu, auf den Sohn, der sich in seiner Herrlichkeit offenbart, um uns mit dieser Herrlichkeit zu umfangen.

Geht mutig weiter. Frohe Weihnachten und frohe Feste.

[1] Siehe Weihegebete auf unserer Webseite https://unterwegszurneuenschoepfung.org in der Rubrik „Weihegebete und Gebete“

[2] Vgl. zweite Lesung in der Heiligen Nacht, Lesejahr B: T 2, 11-14

[3] Ab der Botschaft der Allerheiligsten Jungfrau Maria vom 7. Dezember 2020 „Die messianische Zeit“, veröffentlicht auf unserer Webseite und im Buch „Unterwegs zur neuen Schöpfung – Band 7, 2020“, S. 135, sprechen alle folgenden Botschaften vom ZWISCHENZEITLICHEN KOMMEN Jesu.

[4] Vgl. Botschaft der Allerheiligsten Jungfrau Maria vom 7. Dezember 2020 „Die messianische Zeit“

[5] Vgl. Apg 9

[6] Vgl. Botschaft der Muttergottes vom 31. Dezember 2019 „Feierliche Weihe an die Allerheiligste Jungfrau Maria für das Jahr 2020“ veröffentlicht auf unserer Webseite und im Buch „Unterwegs zur neuen Schöpfung – Botschaften und Gedanken 2018-2019, Band 6“, S. 115

[7] Vgl. erste Lesung der Messe in der Heiligen Nacht, Lesejahr B: Jes 9, 1-6

[8] Siehe Fußnote 2

[9] Siehe Fußnote 7

[10] Siehe Fußnote 7