Gedanken – „Die Dörfer des Geistes“

Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Fronleichnam

 von Pater Tomislav Vlašić

(übersetztes Audio)

  1. Juni 2021

Liebe Schwestern und Brüder, wir alle, die wir diesem Weg folgen, haben erlebt, dass der Heilige Geist diesen Weg führt. Wir haben auf diesem Weg die Etappen erkannt, die uns angekündigt worden waren, insbesondere dann, wenn Gott Vater zu uns gesprochen hat. Jedes Mal, wenn Gott spricht, wird eine Sache beendet und eine neue beginnt.

Ausgehend von dieser Tatsache sprechen wir zu euch auf Basis der Botschaft des Vaters mit dem Titel: „Die Dörfer des Geistes“[1], die Er uns für dieses Hochfest geschenkt hat. Ihr alle habt erlebt, dass sich, wenn ihr euch feierlich weiht – wie euch erklärt wurde[2] –, in euch und vor euch ein neuer Raum öffnet. In dieser Botschaft, die ganz auf das Hochfest Fronleichnam ausgerichtet ist, sehen wir, dass die Identität und die Mission der Kirche des ganzen Universums auf zusätzliche Weise erleuchtet werden und dass sich die Versprechen Jesu in der Botschaft vom 8. September 2011 „Die Zukunft meiner Kirche“[3] erfüllen. Wir erinnern uns an eine Intuition, eine Eingebung des Papstes Benedikt XVI als er Kardinal war, der die Zukunft des Christentums in zwei Ausprägungen gesehen hat: einerseits mit vielen neuen Gemeinschaften, mit neuen Gruppen, die eine intensive Spiritualität leben werden und andererseits mit einer Masse von Menschen, die den christlichen Religionen angehören. Auch das ist dabei sich zu erfüllen.

Kehren wir zurück zur Identität der Kirche Jesu Christi des Universums, die der Vater als einzige und unteilbare Kirche bezeichnet. Worin besteht die Identität der Kirche Jesu Christi des ganzen Universums? Sie ist sein Mystischer Leib und findet ihre Identität in der Eucharistie. Dann sagt Gott Vater, dass in dieser Kirche die dreifaltige Liebe zirkuliert, die uns miteinander verbindet. Es ist immer die dreifaltige Liebe, nicht irgendeine Liebe, die uns in das Wirken der Allerheiligsten Dreifaltigkeit eintaucht. Wie ihr wisst, wird auf besondere Weise im Christentum und hier insbesondere in der katholischen Konfession hervorgehoben, dass die Identität der Kirche in der Eucharistie und in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit liegt. Aber wo in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit? Die Allerheiligste Dreifaltigkeit setzt ihr ganzes Vertrauen in Jesus Christus. Der Raum, als der die Kirche bezeichnet wird, dieser existenzielle Raum ist der Raum der Gegenwart der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wenn wir von diesem existenziellen Raum sprechen, dann denken wir für gewöhnlich an die gegenwärtigen Zeiten, an dieses und jenes. Aber nein! Der existenzielle Raum der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist die Person Jesu Christi in ihrem vollen Umfang und an dieser Person nehmen wir in Maria, mit Maria und durch Maria teil, denn Maria die Unbefleckte wurde im Vorhinein von der Erbsünde befreit im Hinblick auf die Erlösung, die durch Jesus Christus erfolgt. In Maria begegnen wir Jesus, den Sie empfangen und mit dem Sie gelebt hat. In Maria und mit Maria sind wir auf dem Weg, um all das zu erhalten, was Sie, die Unbefleckte, die Miterlöserin von Jesus Christus in sich aufgenommen hat, bis Sie sich durch Ihn mit Gott in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf hypostatische Weise vereinigt hat.

Die Kirche muss also auf diesem Weg weitergehen, und zwar durch Maria, denn Sie hat die Vollkommenheit in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit erreicht. Sie ist unter uns gekommen, um uns all das mitzuteilen und das zwischenzeitliche Kommen Jesu Christi vorzubereiten. Genau das wollte Sie in Medjugorje tun. Und Sie ist es, die uns im Heiligen Geist hervorbringt und uns weiterbringt, Sie macht uns fähig, uns mit Jesus Christus zu vereinen.

Wir treten also durch die Taufe in diesen existenziellen Raum, in die Person Jesu Christi ein und nehmen an ihr teil. Kein Vertreter der Religion, keine menschliche Autorität, keine menschliche Organisation kann mehr ein zentraler Orientierungspunkt sein, sondern nur mehr der lebendige Gott, der lebendige Jesus Christus, wie wir gerade heute im Tagesgebet[4] gebetet haben. Indem wir Jesus Christus durch Maria annehmen, treten wir in diesem Zusammenhang in jenen Raum ein, wo uns der Geist Christi zu Gott Vater bringt und dann zirkuliert jene dreifaltige Liebe in uns. Wie der Heilige Paulus sagt, dass Christus für ihn das Leben ist[5]. An diesem Punkt des Wegs sind wir angelangt – ich spreche von uns, die wir diesen Weg gehen. Es ist keine Katechese, sondern wir haben es selbst erlebt.

Jetzt ist der Augenblick, völlig in diesen existenziellen Raum einzutreten, völlig Jesus Christus anzugehören durch die Unbefleckte Mutter, Miterlöserin und Königin, damit uns alles, was wir bekennen, mit dieser dreifaltigen Liebe erfüllt. Und wenn wir Mutter sagen, dann ist das die Mutter Gottes; wenn wir Miterlöserin sagen, dann ist das meine Miterlöserin und die Miterlöserin aller, mit ihrer vollkommenen, völligen und allmächtigen Miterlösung; wenn wir Königin sagen, dann ist das die Königin. Und das führt uns in diese Zeit, um die besondere, zwischenzeitliche Gegenwart Jesu Christi wahrzunehmen.

An diesem Punkt lese ich die Kernaussage der Botschaft: „Die Gemeinschaft unter den Mitgliedern meiner einzigen und wahren Kirche des ganzen Universums ist dazu bestimmt, zu wachsen und immer sichtbarer zu werden. Ihr seid aufgerufen, euch in Gemeinschaft mit all euren Schwestern und Brüdern zu fühlen. Wenn ihr einander sucht und begegnet – körperlich, im Geist oder mithilfe der Werkzeuge, die euch die heutige Technologie anbietet – bildet sich zwischen euch eine geistige Dimension, die ich als „Dörfer des Geistes“ bezeichne, einen Ort der geistigen Begegnung, wo die dreifaltige Liebe zirkuliert, die euch miteinander verbindet. Es ist keine Fantasievorstellung, da die Wirklichkeiten des Geistes keine virtuellen Vorstellungen sind, sondern konkrete Wirklichkeiten, die genauso konkrete Früchte tragen für jene, die daran glauben.“[6] Ein großer Teil dieser Botschaft spricht davon, diese Dörfer im Geist, in der Gemeinschaft zu entwickeln. Die Vertiefung dieses Themas überlasse ich euren Priestern, den geistigen Führern, den Zellen und jedem von euch. Aber ich möchte hervorheben, dass dieser kosmische Weg an einem Punkt angelangt ist, an dem sie eine unerlässliche, verpflichtende Etappe darstellen.

In diesen Tagen habt ihr insbesondere gehört, dass Kardinal Marx aus Bayern seinen Rücktritt bekanntgegeben hat. Er ist ein Kardinal, der Papst Bergoglio sehr vertraut und ihn unterstützt hat. Er hat eine Pressekonferenz einberufen und ich zitiere, was die deutschen Journalisten in besonderer Weise hervorgehoben haben: „Die Kirche ist an einem toten Punkt angelangt“; ein toter Punkt, es geht weder nach rechts noch nach links, weder nach vorne noch zurück. Das habe nicht ich gesagt, sondern ein Kardinal, der Papst Bergoglio vertraut.

Meine Frage an uns alle ist also: Wenn wir in uns hineinblicken, was sehen wir? Stehen wir an einem toten Punkt, an dem sich nichts in uns bewegt? Wenn ihr eure Treffen betrachtet, eure Gruppen, eure Pfarrgemeinden und es bewegt sich nichts, so steht ihr an einem toten Punkt und nehmt keinen Einfluss auf die Menschheit. In diesem Fall erfüllt die Kirche ihre Mission nicht. Daher habe ich gesagt, dass die Dörfer im Geist, von denen Gott Vater spricht, eine unerlässliche Etappe sind, und es gibt kein Zurück mehr. Weshalb? Weil in einer globalisierten Messfeier nur Gefühle und oberflächliche Dinge wahrgenommen werden. Wenn sich in einer Pfarre, in einer religiösen Gemeinschaft nichts verändert, bleibt man an der Oberfläche. In diesen Dörfern des Geistes, wie sie der Vater versteht, in den Zellen, wie Jesus am 8. September 2011[7] angekündigt hat, befinden sich Menschen, Zellen, in denen die Einzelnen entschlossen sind, sie pulsieren und sind lebendig, weil sie am lebendigen Gott teilhaben, wie wir im heutigen Tagesgebet gebetet haben.

In diesen Zellen, in dieser geschwisterlichen Gemeinschaft wächst jeder Einzelne. Jeder findet seine Einzigartigkeit und Mission und die Dynamik des Heiligen Geistes wirkt in diesen Gruppen und zwischen ihnen. Sie befinden sich also nicht an einem toten Punkt, sondern nehmen am lebendigen Gott teil. Niemand kann denn Platz des lebendigen Gottes als Bezugspunkt einnehmen, denn die machtvollen Gnaden beziehen heute die Erde und das ganze Universum mit ein und führen in die Richtung, am Werk der Erlösung, am Werk Jesu Christi, dem lebendigen Gott unter uns teilzunehmen.

In diesen Gruppen, in diesen Zellen, in diesen Dörfern können die Menschen ein fortwährendes Sich-in-Gott-Erheben leben, was zur unmittelbaren Erkenntnis führt, von der wir und auch Jesus sehr oft gesprochen haben und in der wir Gott von Angesicht zu Angesicht betrachten. Ohne diese Teilnahme am Leben des lebendigen Gottes wird alles zum Ritual, die Treffen werden zum Zwang und man dreht sich um einen toten Punkt.

Das sind nicht nur Begriffe oder mystische Botschaften. Ich bediene mich einiger Abschnitte der heutigen Lesungen. Im Brief an die Hebräer[8] wird der Hohepriester beschrieben, der ein für alle Mal in das Heiligtum des Himmels eintritt und mit uns einen Bund schließt. Wenn Er in den Himmel eingetreten ist und für uns einen Platz vorbereitet hat, wenn Er uns seinen Heiligen Geist geschenkt hat und wir in diesem Raum seiner Person sind, in diesem existenziellen Raum, von dem wir sprechen, dann sind wir mit Ihm im Himmel, wie der Heilige Paulus sagt, unser Geist ist dort. Dann drehen sich unsere Messfeiern nicht um einen toten Punkt, sondern wir nehmen an dem teil, was im Heiligtum des Himmels geschieht. Das ist die Himmlische Liturgie und wir befinden uns in einem ständigen Wachsen, in einer ständigen Veränderung. Nehmen wir nicht auf diese Weise teil, sind wir dazu bestimmt, uns um einen toten Punkt zu drehen. Wir müssen in dieser Zeit eine Entscheidung treffen.

Die erste Lesung aus dem Buch Exodus[9] zeigt das Volk, zu dem Mose spricht. Er legt ihm das Gesetz aus und das ganze Volk sagt: «Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun.» Und Mose besprengt daraufhin den Altar und das Volk mit Blut. Was tut Mose? Er bezeichnet das Volk mit Blut wie in Ägypten mit dem Blut des geschlachteten Lammes, um es zu beschützen und um jene Entscheidung des Volkes zu besiegeln und zu beschützen. Steht das Volk nicht mehr zu dieser Entscheidung, so geschieht, was mit folgenden biblischen Worten ausgedrückt wird: «So soll das Blut auf euch kommen.»[10] Aber wenn wir die Eucharistie feiern, sind wir uns dessen bewusst? Das, was wir versprochen haben, hat Jesus mit seinem Blut vor dem Vater besiegelt: „Ich vergieße mein Blut für diese Menschen“, und dieses Blut ist machtvoll, fähig, uns in das Heiligtum des Himmels zu bringen. Wenn wir nicht daran teilnehmen… aber wie nehmen wir daran teil? Die Israeliten nahmen daran teil, indem sie die schönsten Tiere opferten als Ausdruck ihres Herzens. Das entsprach dem damaligen Verständnis. Gott hat uns aber in der Taufe darum gebeten, uns selbst hinzugeben, um umgewandelt und verändert zu werden, um neue Geschöpfe zu werden.

Wir sind also an einem Punkt der Geschichte angelangt, an dem die Christen nicht mehr auf oberflächliche Weise leben können. Wenn sie die Gnaden dieser Zeit wahrnehmen möchten, die uns zum glorreichen Kommen Christi und zur neuen Schöpfung hinführen und uns darauf vorbereiten, dann müssen wir am Leben des lebendigen Gottes durch Jesus Christus teilnehmen. Deshalb hat Gott Vater in dieser Botschaft die Eucharistie als Bezugspunkt angegeben, wo der Lebendige Gott, wo Jesus, wo der Vater und der Heilige Geist gegenwärtig sind und wodurch wir in diesen Kreislauf der Liebe und des Lebens eintreten, der uns fortwährend erhebt. Wenn wir uns damit aufhalten, um den toten Punkt zu kreisen, dann weiß ich nicht, wie das enden wird. Wir können die Menschen Gott und seiner Barmherzigkeit anvertrauen, aber wie uns in dieser Zeit gesagt wurde, wird die Zeit knapp. Die letzte Gnade, die uns der Vater geschenkt hat, ist, dass Er seinen Sohn in diese „Zwischen“-Zeit gesandt hat, um allem Bösen entgegenzutreten und uns die Möglichkeit zu geben, uns erlösen zu lassen, aber ohne unsere Teilnahme, ohne unsere Entscheidung kann Gott Vater nichts tun.

Ich lade euch ein, an den Gnaden dieser Zeit teilzunehmen und Teil der Kirche des ganzen Universums zu werden, deren Programm es ist, mit jedem Gebet, mit jeder Messfeier am Leben des lebendigen Gottes teilzunehmen, um in sich selbst das Leben zu haben und es den anderen zu übermitteln.

Und ich segne euch im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

[1] Botschaft Gott Vaters vom 5. Juni 2021, veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org

[2] Vgl. Gedanken von Pater Tomislav Vlašić vom 29. Mai 2021 „Feierliche Weihe an die Allerheiligste Dreifaltigkeit“, veröffentlicht auf unserer Webseite.

[3] Vgl. Botschaft Jesu veröffentlicht auf https://unterwegszurneuenschoepfung.org am 7. Oktober 2011

[4] Vgl. Tagesgebet des Hochfestes Fronleichnam, Lesejahr B

[5] Vgl. Phil 1, 21

[6] Siehe Fußnote 1

[7] Siehe Fußnote 2

[8] Vgl. Hebr 9, 11-15

[9] Vgl. Ex 24, 3-8

[10] Vgl. Lev 20, 8-27